Obama in Kuba: Eine Reise fürs Fotoalbum

Kommentar22. März 2016, 17:16
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Havanna verweigerte dem Besuch jene historische Dimension, die man sich in Washington und andernorts gewünscht hätte

Was Barack Obama in Havanna zu sehen bekommen hat, das war nicht das neue Kuba, sondern bloß eine behübschte Fassade. Dahinter ist das Mauerwerk immer noch brüchig und modrig. Die Bilder der Präsidentenfamilie, die im heftigen Platzregen durch die renovierte Altstadt spaziert, hatten starken symbolischen Charakter. Echte Sonnenscheinpolitik sieht anders aus.

Wäre Kuba tatsächlich schon stramm auf jenem "Normalisierungskurs", der 2014 verkündet wurde, dann hätte Präsident Raúl Castro nicht wenige Stunden vor Obamas Ankunft demonstrativ den Venezolaner Nicolas Maduro empfangen; dann hätte er die "Damen in Weiß" nicht schon wieder verhaften lassen; dann hätte er vor allem seinen US-Amtskollegen selbst vom Flughafen abgeholt. So verweigerte Havanna dem Besuch jene historische Dimension, die man sich in Washington und andernorts gewünscht hätte.

Obama ist dennoch Respekt zu zollen für lange Jahre umsichtiger Diplomatie ohne Ultimaten und für einen Pragmatismus, Realitäten zu erkennen und anzuerkennen – und diese dennoch verändern zu wollen. Immerhin konnte er eine positive, konkrete Entwicklung anstoßen. Diese wird im günstigsten Fall aber erst dann vollendet werden können, wenn Castro 2018 wie geplant zurücktritt und so den Weg für einen Generationswechsel freigibt. Bis dahin droht von Obamas Kuba-Politk nur wenig mehr übrig zu bleiben als schöne Bilder fürs präsidiale Fotoalbum. (Gianluca Wallisch, 22.3.2016)

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