Kammerkonzert mit Orchester

22. März 2016, 16:52
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Sächsische Staatskapelle Dresden und Christian Thielemann bei den Osterfestspielen

Salzburg – Praktisch ein "Tripelkonzert" mit drei Stars? Nicht in diesem Fall. Geigerin Anne-Sophie Mutter, Cellist Lynn Harrell und Pianist Yefim Bronfman traten im Festspielhaus weniger als Solisten auf, denn als Kammermusiker mit einem vierten Partner: der Sächsischen Staatskapelle Dresden in innigster symbiotischer Verschmelzung mit ihrem Chef Christian Thielemann.

Aus dem farbenreichen Streichertimbre der Einleitungstakte heraus entwickelte der Cellist Harrell die erste jener ruhig strömenden Kantilenen, die den Grundton dieser kammermusikalischen Interpretation vorgaben.

Große Melodien im Piano über kleingliedrigen Begleitfiguren lassen sich leicht "transparent" musizieren. Dieser Truppe gelang das Kunststück auch in den immer wieder überraschend und wild auffahrenden Passagen. Dabei war ausreichend Raum für Virtuosen: für atemberaubend präzise parallele Läufe zwischen Geige und Cello oder delikate Statements des Klaviers etwa im Dialog mit pulsierendem Streicher-Pizzicato.

Beinahe aufgelöst

Wie spannungsvoll hat Christian Thielemann die Übergänge zelebrieren lassen, Erwartungshaltungen immer wieder irritiert: Horn und Fagott haben soeben die Stimmung eingetrübt, das Solo-Cello stimmt ein – und macht quasi auf einem Ton für alle die Kehrtwendung zurück zur Heiterkeit. Ein bockig tänzerischer Tutti-Aufschwung kündigt sich an und führt in eine beängstigende (moderne) Auflösung – beinahe gar des harmonischen Grundgerüsts.

Konzertant für Violine, Violoncello und Pianoforte mit dem ganzen Orchester hat Beethoven selber das Tripelkonzert C-Dur op. 56 bezeichnet. Die kammermusikalische Qualität des "Brockens" haben Mutter, Harrell, Bronfman und die Staatskapelle Dresden überwältigend deutlich gemacht.

Es folgten Tschaikowskis Romeo und Julia, Fantasie-Ouvertüre und Liszts Les Préludes. zwei "Knaller", denen Thielemann ebenfalls die feinen Nuancen abgelauscht hat, um Aufruhr und Aufschwung umso stärker zur Wirkung zu bringen.

Wie eine Filmmusik zu einem frühen Fellini wirkte Romeo und Julia in ihrem warmen facettenreichen Sepia-Ton. Die präzisen Florett- oder Säbelhiebe der Kämpfe und Turbulenzen in Verona schienen in der Lesart Thielemanns die gleiche Funktion zu haben wie die perfekt kontrollierten Ansätze zum Triumphalismus in Les Préludes: Es ging darum, den Facettenreichtum in den Tiefenschichten umso intensiver spürbar zu machen. (Heidemarie Klabacher, 22.3.2016)

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