"Batman v Superman": Zwei Kostümierte außer Rand und Band

23. März 2016, 11:16
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Zwei gewichtige Superhelden treten erstmals gemeinsam auf – und zwar gegeneinander. Klingt in der Theorie besser, als es Zack Snyder in seinem ungeordneten, sich in Details verzettelnden Blockbuster umzusetzen gelingt

Wien – "Superman wurde als Superman geboren. Er wacht bereits in der Früh als Superman auf." So heißt es in einem schönen Monolog in Quentin Tarantinos "Kill Bill" einmal. Supermans Kostüm sei somit nicht das rotblaue Dress, sondern der Anzug von Clark Kent, dem hornbebrillten Journalisten, als welcher er sich unerkannt unter die Menschen begibt. Wie Superman uns Menschen sieht, zeige erst diese Camouflage richtig an: als schwächliche Individuen wie Kent.

foto: warner
Einer, der immer schon Superheld war, ärgert sich neuerdings über menschliche Konkurrenz im Fledermauskostüm: Henry Cavill als Mann aus Stahl in Zack Synders "Batman v Superman".

Unweigerlich muss man an diese Deutung des Superhelden denken, wenn man in Zack Snyders "Batman v Superman" mitansehen muss, wie es dem Sohn des Planeten Krypton (erneut Henry Cavill) auf der Erde ergeht. Im Sequel von "Man of Steel", mit dem der DC Comicsheld vor drei Jahren neu ausgerichtet wurde, ist er vor allem mit den Schwächen der Menschen konfrontiert. Man hat dem Mann aus Stahl zwar ein Denkmal gesetzt, doch sein Stern ist im Sinken. Der gottähnliche Retter hält sich an keine Regeln, eine Senatorin macht gegen ihn mobil, andere, noch bedrohlichere Neider warten im Dunkeln auf ihre Chance. Das Böse, sagen sie, kommt neuerdings von oben.

Einer davon arbeitet besonders hart dafür, als Superheld zu begeistern. Den Sohn eines Milliardärs kennt man als selbsternannten Beschützer seiner Stadt – er hasst das Alien, das menschliche Mühen mit makellos gezogenem Scheitel übertrifft und dabei Kollateralschäden in Kauf nimmt, besonders innig: Die Rede ist ausnahmsweise nicht von Donald Trump, sondern von Bruce Wayne, dem Mann im Fledermauskostüm. Mehr noch als in Christopher Nolans "The Dark Knight"-Reihe darf er hier seine Ambivalenz als Gerechtigkeitsfanatiker unter Beweis stellen.

Zuckerberg und Joker

Beide Comics-Giganten in einem Film zu verstauen, das hat "Batman v Superman" im Vorfeld bereits einigen Datenverkehr gesichert – und dann noch diese aberwitzige Besetzung! Doch weder Ben Affleck als trübsinniger, leicht angegrauter Held mit Krähenfüßen, noch Jesse Eisenberg, der Supermans verbissenen Gegner Lex Luthor wie eine Mischung aus Facebook-Chef Mark Zuckerberg und dem Joker anlegt, sind das Problem. Sie versuchen ihren Figuren zumindest etwas wie eine fühlbare Präsenz zu verleihen.

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Das Dilemma beginnt bei einem Drehbuch (Chris Terrio, David S. Goyer), welches das Geschehen, beinahe in der Gangart eines Episodenfilm wie "Short Cuts", aus zahlreichen Nebensträngen aufzubauen versucht: Jede Figur wird mit einer extra Szene vorgestellt, und manche, wie Gal Gadot als Diana Prince respektive Wonder Woman, geht gleich wieder verloren. Statt Übersicht, Spannungsaufbau und Verdichtung überwiegen Hektik und Konfusion. Zack Snyder inszeniert den Film ohne Sorgfalt, indem er Szenen wie Karten wahllos aus einem Fächer zieht und darauf vertraut, dass es am Ende schon Sinn ergibt.

Die innere Dramatik, die aus den unversöhnbaren Fronten des Trios Superman, Batman und Lex Luthor hervorgehen soll, will sich aber nicht einstellen. Dafür müsste man von der Kollision der Weltbilder nämlich erst einmal erzählen. Zwischen dem uneigennützigen Übermenschen, dem Rächer, der auf das Rechtsverständnis des Menschen vertraut, und einem, der lieber mit manipulativen als mit sauberen Mitteln zum Erfolg kommen will, gibt es zu wenig Reibung, ja Verknüpfungspunkte.

Budenzauber ohne Spannung

Selbst als sie bei einer Party im Haus des Unternehmers in einem Bild aufeinandertreffen, bleibt die Spannung aus. Bequemer ist es für die Regie, die Figuren, befeuert von Hans Zimmers gewohnt basslastigem Score, gewichtig Phrasen dreschen zu lassen. Die Frage "Who's the enemy", wer der größere Feind sei, steht nur kurz einmal im Raum. Doch anders als Nolan, der hier nur die Rolle eines Produzenten einnimmt, möchte sich Snyder mit ihr gar nicht erst ernsthaft auseinandersetzen.

Er malt sich nur den Terror aus, lässt's krachen und donnern. Doch auch den Actionszenen fehlt Eleganz. Akrobatisches ist in diesem Film um traumatisierte Burschen, die nicht teilen – so bringt es Wonder Woman treffend auf den Punkt – kaum zu finden. Ein Schlagabtausch der Helden, bei dem ganze Stockwerke durchbrochen werden, hat etwas von der Griffigkeit, die man sich von einem solchen Film erhofft. Ansonsten: viel martialischer Budenzauber, den man selbst von Snyder schon besser computergeneriert gesehen hat. (Dominik Kamalzadeh, 23.3.2016)

Ab 25.3. im Kino

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