Anschlag von Brüssel – Schwarzer Tag für Belgien und die EU

22. März 2016, 15:31
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Terroristen zündeten Sprengsätze am Flughafen und in der U-Bahn der EU-Hauptstadt – IS bekennt sich zu Anschlägen – Mindestens 30 Tote und mehr als 200 Verletzte

Brüssel – Terror im Herzen Europas: In Brüssel sind bei Explosionen am Flughafen und in der U-Bahn dutzende Menschen getötet worden. Mindestens 30 Menschen kamen ums Leben, davon 10 am Airport und 20 an der Metrostation Maelbeek mitten im EU-Viertel. Mehr als 200 Personen wurden verletzt. Allein in der U-Bahn seien mehr als 100 Menschen verletzt worden, sagte Brüssels Bürgermeister Yvan Mayeur. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat sich zu den Anschlägen in Brüssel bekannt.

Der belgische Premierminister Charles Michel sprach von "blinden, gewalttätigen und feigen Anschlägen". Ob es sich bei den Terroristen um Unterstützer des erst am Freitag festgenommenen Hauptverdächtigen der Pariser Anschläge vom November 2015, Salah Abdeslam, handelte, war zunächst unklar. Der belgische Staatsanwalt sagte am Dienstagabend, es sei noch zu früh, um über Verbindungen zu den Anschlägen in Paris zu spekulieren.

Michel sagte, die Sicherheitskräfte wappneten sich gegen weitere Bluttaten. Es handelte sich um einen "schwarzen Tag" für Belgien. Auch in vielen anderen europäischen Städten ging die Terrorangst um: Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte patrouillierten an Flughäfen und an anderen Verkehrsknotenpunkten.

Selbstmordattentäter

Am Brüsseler Flughafen habe sich wahrscheinlich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, sagte Staatsanwalt Frederic Van Leeuw. Die Terrorwarnung in Belgien wurde auf die höchste Stufe angehoben. Belgien hat eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

Im Laufe des Dienstagnachmittags wurde der öffentliche Verkehr Schritt für Schritt wieder aufgenommen. Auch nationale Zugverbindungen sind wieder in Betrieb. Der Flughafen bleibt allerdings auch am Mittwoch noch geschlossen, Schulen hingegen sind geöffnet.

Selbstmordattentat am Flughafen

Nach Angaben von Augenzeugen ereigneten sich Dienstagfrüh gegen 8 Uhr zunächst am Flughafen kurz nacheinander zwei Explosionen. Zeugen wollen zuvor Schüsse und Rufe in arabischer Sprache gehört haben. Neben dem toten Attentäter fand die Polizei nach einem Bericht des Senders VRT ein Kalaschnikow-Sturmgewehr.

Anschlag auf Metro

Gegen 9 Uhr kam es an der Metrostation Maelbeek mitten im EU-Viertel von Brüssel zu einer Detonation. Die Explosion wurde in einer gerade eingefahrenen U-Bahn-Garnitur ausgelöst. Bilder vom Tatort zeigten einen völlig zerstörten Metrowagen. Nur wenige hundert Meter entfernt liegen die Gebäude der EU-Kommission und des EU-Rats. Beide Institutionen wiesen ihre Mitarbeiter an, zu Hause zu bleiben oder EU-Gebäude nicht zu verlassen. Der gesamte öffentliche Nahverkehr in der belgischen Hauptstadt wurde eingestellt, ebenso der Zugverkehr von und nach Brüssel. Der Flughafen soll bis mindestens Mittwochmorgen geschlossen bleiben.

Auch der Schutz der belgischen Atomkraftwerke wurde verstärkt. Polizeikräfte seien vor Ort, ebenso Militäreinheiten, hieß es vom Betreiber Engie.

Der mutmaßliche Topterrorist Abdeslam war bei einem Polizeigroßeinsatz in der als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Gemeinde Molenbeek festgenommen worden. Bei den Anschlägen am 13. November 2015 in Paris gab es 130 Todesopfer.

Komplizen gesucht

Seit Abdeslams Festnahme suchte Belgien noch mutmaßliche Komplizen. In belgischen Medien wird nun über die möglichen Täter und Drahtzieher der Anschläge vom Dienstag spekuliert. Immer wieder taucht vor allem der Name Najim Laachraoui auf. Er war erst vor kurzem identifiziert und zur Fahndung ausgeschrieben worden.

Verdächtige gesucht

Nach den Anschlägen gab es am Dienstag in Brüssel erneut mehrere Razzien. Ermittler seien auf der Suche nach Verdächtigen, die mit den Attentaten zu tun haben könnten, berichtete der Sender RTBF mit Hinweis auf Justizquellen. "Wir fürchten, dass Personen noch auf freiem Fuß sind", sagte Außenminister Didier Reynders. Das belgische Krisenzentrum rief die Bürger wegen der Anschlagsgefahr auf, in ihren Häusern oder an ihren Arbeitsstellen zu bleiben. (APA, 22.3.2016)

  • Blumen und Trauer im Zentrum von Brüssel.
    foto: reuters/charles platiau

    Blumen und Trauer im Zentrum von Brüssel.

  • Zerstörung nach den Explosionen am Brüsseler Flughafen.
    foto: reuters/jef versele/handout

    Zerstörung nach den Explosionen am Brüsseler Flughafen.

  • Forensisches Team bei der Metrostation Maelbeek.
    foto: reuters/vincent kessler

    Forensisches Team bei der Metrostation Maelbeek.

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