Wiener Konvention: Hürden für selbstfahrende Autos sollen fallen

22. März 2016, 17:10
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Änderungen treten demnächst in Kraft, Fahrer muss System nur noch übersteuern können

Im Herbst 2014 haben 73 Staaten übereinstimmend eine Anpassung der sogenannten Wiener Straßenverkehrskonvention beschlossen. Das Abkommen dient der Standardisierung von Verkehrsregeln und soll auf diesem Wege mehr Sicherheit schaffen.

Die vor anderthalb Jahren abgesegneten Änderungen treten am 23. März in Kraft. Sie ebnen laut Golem den Weg für selbstfahrende Autos, in dem sie gesetzliche Hürden beseitigen.

Aufweichung

Bisher schrieb die Konvention vor, dass ein Fahrer sein Fahrzeug "dauerhaft beherrschen" können müsse und zwar "unter allen Umständen". Mit einer Ergänzung von Artikel 8 werden aber nun Systeme legalisiert, die die "Fahrweise des Fahrzeugs beeinflussen und nicht den vorgenannten Bauvorschriften entsprechen", übersetzt ein Experte aus dem englischen Originaltext.

Hierfür gilt nur eine relevante Einschränkung: Der Fahrer muss diese Systeme ausschalten oder übersteuern können. Damit diese Regelung schlagend wird und damit stark oder vollständig automatisierte Autos in üblichen Geschwindigkeiten verkehren können, ist aber noch eine Änderung der ECE-Regelungen notwendig. Eine solche wird aber bereits erarbeitet.

Deutsche Regierung für "Unfallschreiber"

Auch auf nationaler Ebene werden Vorbereitungen getroffen. In Deutschland wird derzeit darüber diskutiert, für selbstfahrende Autos den Einbau eines "Unfalldatenschreibers" vorzuschreiben, analog zu den Black Boxes in Flugzeugen. Sie sollen die Klärung der Haftungsfrage bei Unfällen und die Aufarbeitung etwaiger Systemfehler erleichtern.

Eine Idee, die von CDU/CSU sowie der SPD befürwortet wird. Debattiert wird unter anderem aber noch, wie lange ein solches Gerät die Fahrtdaten speichern solle.

Autos dürfen noch nicht allein fahren

Was die Konvention derzeit noch nicht ermöglicht, ist, dass Autos auch ohne Fahrer autonom verkehren. Eine im März von Belgien und Schweden eingebrachte Änderung soll festschreiben, dass man auch einem Fahrzeugsystem die "vollständige Kontrolle (…) vom Losfahren bis zur Ankunft" anvertrauen und selbiges als "Fahrer" definieren könne, so Golem weiter. Ein Ansinnen, dem auch die deutsche Regierung positiv gegenüber steht.

Wann dieser zweite Lockerungsschritt erfolgen könnte, ist allerdings unklar. In den USA macht Google Druck, die Regeln zu locker. Der Konzern tüftelt schon länger an selbstfahrenden Autos. Die Transportbehörde NHTSA ist der Ansicht, dass auch ein Computer alleine ein Fahrzeug steuern können sollte. Die kalifornische Straßenverwaltung DMV wiederum schreibt die Präsenz eines Fahrers vor.

Google für Sonderzulassungen in den USA

Der Konzern hat vorgeschlagen, dass Autohersteller Sonderzulassungen unter Erfüllung bundesweiter Sicherheitsstandards beantragen können sollten. Die USA erkennen die Wiener Konvention nicht an, wohl aber die Genfer Straßenverkehrskonvention, die ähnlich formuliert ist und für welche auch Änderungen in der Regel übernommen werden.

Die jüngsten Neuerungen stellen also einen Zwischenschritt dar, der Herstellern mehr Spielraum für die Entwicklung und den Test ihrer Technologien geben wird. Bis Autos jedoch vollständig fahrerlos abseits von Teststrecken von A nach B fahren dürfen, werden noch einige Jahre vergehen. (gpi, 22.03.2016)

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Golem

  • Mit den bald in Kraft tretenden Änderungen der Wiener Konvention dürften die Autohersteller mehr Freiraum erhalten.
    foto: google

    Mit den bald in Kraft tretenden Änderungen der Wiener Konvention dürften die Autohersteller mehr Freiraum erhalten.

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