Wie das FBI ein iPhone auch ohne Apple-Hilfe knacken könnte

23. März 2016, 11:55
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iPhone-Experte vermutet Angriff auf Hardware-Ebene – Apple verlangt Auskunft vom FBI

Eigentlich hätte es am Dienstag zum großen Showdown zwischen Apple und dem FBI kommen sollen, doch dann folgte am späten Montagabend der Paukenschlag: Das FBI ließ den Anhörungstermin verschieben, da sich laut den Angaben der Bundesbehörde in letzter Minute eine neue Möglichkeit aufgetan hat, das im Kern der Auseinandersetzung stehende iPhone 5C eines Attentäters auch ohne Hilfe von Apple zu knacken. Diese will man nun prüfen, bevor das Verfahren weitergeht.

Hardware

Eine Kehrtwende, die natürlich einige Fragen aufwirft, nicht zuletzt jene, wie denn solch ein Attacke gegen das betreffende Smartphone technisch realisiert werden könnte. Der Datenforensiker und iPhone-Experte Jonathan Zdziarski widmet sich dieser Frage in einem aktuellen Blogeintrag, und verweist dabei auf eine Möglichkeit, die in den letzten Wochen immer wieder ins Spiel gebracht wurde: Ein Angriff auf Hardwareebene.

Details

Über ein Chip-Lese/Programmiergerät könnte schlicht der gesamte Speicherinhalt des Geräts kopiert werden. In Folge könnte dann eine Brute-Force-Attacke gegen den Sicherheits-PIN gestartet werden. Reagiert nun das iPhone nach einigen Fehlversuchen mit dem Löschen des Speicherinhalts wird der Inhalt des NAND-Speichers einfach auf den Original-Chip zurückgeschrieben. Zdiarski vergleicht dies mit dem Verwenden von gespeicherten Spielständen, um durch unzählige Versuche eine schwere Stelle in einem Game zu überwinden.

Informationsdefizit

Unterdessen will sich Apple nicht so einfach mit der neuen Situation abfinden. Gegenüber Pressevertretern kündigte das Unternehmen an, dass man vom US-Justizministerium Einblick in die weiteren Geschehnisse haben will. Also welche Firma oder Behörde den Angriff vornimmt, und auf welchem Weg dieser erfolgen soll. Dass man diese Informationen tatsächlich erhält, erscheint allerdings als wenig realistisch. (apo, 23.3.2016)

  • In der Auseinandersetzung zwischen Apple und dem FBI geht es nicht nur um ein iPhone 5C sondern auch um prinzipielle Fragen.
    foto: ahn young-joon / ap

    In der Auseinandersetzung zwischen Apple und dem FBI geht es nicht nur um ein iPhone 5C sondern auch um prinzipielle Fragen.

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