Schadstoffbelastung im Gebirge fast so hoch wie in Städten

22. März 2016, 13:33
9 Postings

Langlebige organische Schadstoffen reichern sich in Gebirgsregionen an, wie eine Studie des Umweltbundesamts gezeigt hat

Wien – Die Belastung von Alpengipfeln mit langlebigen organischen Schadstoffen wie Dioxinen oder Furanen ist ähnlich hoch wie in Ballungsräumen. Das zeigen Messergebnisse auf drei Gipfel in Österreich, Deutschland und der Schweiz, teilte das Umweltbundesamt mit. Grund dafür ist, dass die Alpen eine Barriere für die in der Luft transportierten Schadstoffe bilden und diese sich dort anreichern.

Im internationalen Forschungsprojekt "Monarpop" wird unter der Leitung des Umweltbundesamtes das Vorkommen von schwer abbaubaren organischen Schadstoffen (POP, Persistent Organic Pollutants) in den Alpen untersucht. Dazu zählen Dioxine, Furane und polychlorierte Biphenyle (PCB), die vor allem bei Verbrennungsprozessen freigesetzt werden. Sie sind auch in geringen Konzentrationen schädlich, besonders langlebig und reichern sich in biologischem Material und damit in den Nahrungsketten an.

Alpenbarriere

Die Experten des Umweltbundesamts haben spezielle, für den hochalpinen Raum geeignete Luft- und Niederschlagssammler entwickelt. Studienautor Peter Weiss zufolge können so POPs, aber auch Partikel und gasförmige Schadstoffe gemessen werden.

Die Messergebnisse aus den Jahren 2005 bis 2013 weisen darauf hin, dass POPs über weite Strecken in der Luft transportiert werden. Da die Alpen als Barriere fungieren, reichern sich die Schadstoffe dort besonders an. So wurden auf dem Sonnblick (Österreich), dem Weissfluhjoch (Schweiz) und der Zugspitze (Deutschland) ähnlich hohe Schadstoffeinträge nachgewiesen wie in Städten.

Die Belastung der Luft war dagegen zehn bis 100 Mal geringer als in den Ballungsräumen. Die Schadstoffkonzentration war hier vergleichbar mit jener in anderen entlegenen Regionen, wie etwa arktischen Gebieten. Langfristig zeigte sich keine signifikante Zu- oder Abnahme in der Luftkonzentration der Schadstoffe.

Luftmessungen nicht ausreichend

Luftmassen mit signifikant höheren Schadstoffkonzentrationen stammten fast immer aus Nordost-Europa. Von dort treffen aber nur halb so oft Luftmassen auf den drei Gipfeln ein wie aus den anderen drei untersuchten Quellgebieten (Nordwest-Europa, Süd-Europa und sonstige Herkünfte). Insgesamt spiele damit die meteorologische Häufigkeit des Eintreffens von Luftmassen eine größere Rolle bei der Schadstoffanreicherung auf den Alpengipfeln als die festgestellten Konzentrationsunterschiede nach Herkunft, heißt es in einem nun veröffentlichten Bericht über die Messungen.

Die POPs werden aufgrund ihrer besonderen Langlebigkeit und Toxizität in der UN Stockholm Konvention geregelt. Für die Kontrolle der Wirkung dieses internationalen Übereinkommens wird auch das Projekt "Monarpop" herangezogen. Die Unterschiede zwischen den gemessenen Schadstoffkonzentrationen in der Luft und in der Ablagerung zeigen laut Experten, dass die derzeit in der Konvention vorgesehenen Luftmessungen nicht ausreichen, um den tatsächlichen POP-Eintrag in die Landschaft zu ermitteln. (APA, 22.3.2016)

  • Vor allem Verbrennungsprozesse setzen schwer abbaubare organische Schadstoffen frei. Die Belastung ist auch auf auf der Zugspitze nachweisbar.
    foto: thomas neuhold

    Vor allem Verbrennungsprozesse setzen schwer abbaubare organische Schadstoffen frei. Die Belastung ist auch auf auf der Zugspitze nachweisbar.

Share if you care.