Schlaganfall-Therapie: Zeitfenster oft größer als gedacht

22. März 2016, 12:12
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Forscher stellten fest, dass es nach einem Schlaganfall vor allem darauf ankommt, wie gut die betroffenen Gehirnbereiche über kleinere Arterien mit Blut versorgt werden

Nach einem Schlaganfall heißt es: "Time is brain". Vereinfacht gesagt: Je schneller ein Betroffener medizinisch versorgt wird, desto besser. Dieser Leitsatz gilt zwar nach wie vor in der Akutphase, ist bei einer minimalinvasiven Behandlung aber nicht allein ausschlaggebend, wie Mediziner vom Universitätsklinikum Freiburg herausgefunden haben.

"Bei einem Großteil der Betroffenen kann der Zustand bis zu zwölf Stunden konstant bleiben. In dieser Zeit ist es notfalls auch möglich, die Patienten in ein entsprechend ausgestattetes Zentrum zu verlegen, um den Schlaganfall minimalinvasiv zu behandeln", erklärt Horst Urbach, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Hohe Erfolgsrate

"Für den Erfolg einer Thrombektomie ist weniger die verstrichene Zeit von Bedeutung, sondern vielmehr, wie die Blutzirkulation im Gehirn aussieht", ergänzt der Experte. Die Thrombektomie ist ein Verfahren, bei dem ein Katheter in die Leistenarterie eingeführt und bis zum arteriellen Verschluss im Gehirn vorgeschoben wird. In den Katheter wird ein Röhrchen, auch Stent genannt, eingebracht, das sich bei Rückzug des Katheters entfaltet und das Blutgerinnsel festklemmt. Anschließend werden Katheter, Stent und mit ihnen das Blutgerinnsel herausgezogen.

Über bildgebender Verfahren können Ärzte feststellen, wie hoch die Chancen für einen erfolgreichen Eingriff stehen. Für ihre Studie werteten die Mediziner Daten über Durchblutung und Aktivität des Gehirns von 155 Patienten aus, bei denen eine Hals- oder Hirnschlagader verstopft war und das Gehirn nur durch kleine Nebenarterien, sogenannte Kollateralen, mit etwas Blut versorgt wurde. "Bei diesen Patienten mit Verschlüssen der großen Hirnarterien konnten wir in den letzten Jahren dank Thrombektomie die Heilungschancen von 30 Prozent auf 60 Prozent im Vergleich zur medikamentösen Therapie verdoppeln", so Urbach. (red, 22.3.2016)

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