Russisches Gericht verurteilt ukrainische Pilotin zu 22 Jahren Haft

22. März 2016, 10:45
739 Postings

Richter sah es als erwiesen an, dass die Pilotin der Beihilfe zum Mord an zwei Journalisten in der Ostukraine schuldig ist

Donezk/Kiew – Ein russisches Gericht hat die ukrainische Kampfpilotin Nadia Sawtschenko Agenturmeldungen zufolge am Dienstag zu 22 Jahren Haft verurteilt. Richter Leonid Stepanenko sah es als erwiesen an, dass die Pilotin der Beihilfe zum Mord an zwei Journalisten in der Ostukraine schuldig ist. Bereits am Montag hatte Stepanenko erklärt, die Frau habe "aus Hass absichtlich den Tod zweier Menschen verursacht". Die Staatsanwaltschaft hat 23 Jahre Haft für Sawtschenko beantragt.

In der Ukraine wird die Pilotin als Nationalheldin und Symbol des Widerstands gegen Russland verehrt, während sie im russischen Staatsfernsehen als gefährliche Nationalistin dargestellt wird, die das Blut russischer Zivilisten an den Händen hat. Sie selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten und spricht von einem Schauprozess. Deutschland, die USA und andere westliche Staaten fordern die Freilassung Sawtschenkos. Die 34-Jährige hat mehrere Hungerstreiks hinter sich. Es wird erwartet, dass Sawtschenko einen neuen Hungerstreik beginnt, sobald das Urteil gegen sie in Kraft tritt, um ihre Heimkehr in die Ukraine zu erzwingen.

Richter: Illegal über Grenze

Der Richter in der südrussischen Kleinstadt Donezk ging am Dienstag darauf ein, warum er es für erwiesen hält, dass Sawtschenko illegal über die Grenze nach Russland gekommen sei. Dabei berief er sich unter anderem auf Telefonate, wie die Agentur Ria Nowosti berichtete. "Das ist Unsinn", rief die 34-Jährige demnach.

Sawtschenko soll laut Anklage im Sommer 2014 der ukrainischen Armee den Aufenthaltsort von zwei russischen Fernsehjournalisten in der Ostukraine mitgeteilt haben, woraufhin diese durch Granatbeschuss getötet wurden. Die 34-Jährige, die für ein regierungstreues Bataillon gegen die prorussischen Rebellen kämpfte, weist die Vorwürfe zurück.

Berufung ausgeschlossen

Sawtschenko hatte im Voraus eine Berufung gegen das Urteil ausgeschlossen. Sie fordert ihren Austausch gegen in der Ukraine inhaftierte Russen. Ihr Anwalt Mark Fejgin teilte mit, er habe die Vereinten Nationen kontaktiert. Da die Soldatin seit Ende Juni 2014 in Russland in Haft ist, beläuft sich der Rest ihrer 22-jährigen Haftstrafe auf rund 20 Jahre.

Die Pilotin selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten und spricht von einem Schauprozess. Die Gefangene hat mehrere Hungerstreiks hinter sich. Es wird erwartet, dass Sawtschenko einen neuen Hungerstreik beginnt, sobald das Urteil gegen sie in Kraft tritt, um ihre Heimkehr in die Ukraine zu erzwingen.

Ukraine erkennt Urteil nicht an

Die Ukraine will das Gerichtsverfahren und die Verurteilung nicht akzeptieren. "Die Ukraine wird die Gerichtsfarce gegen Nadeschda Sawtschenko nie anerkennen", sagte Präsident Petro Poroschenko am Dienstag in Kiew. Es werde Sanktionen gegen "alle Beteiligten an der Verfolgung" der 34-Jährigen geben, kündigte er an.

Poroschenko bekräftigte seine Bereitschaft, Sawtschenko gegen zwei bei Gefechten im Donbass gefangen genommene russische Staatsbürger auszutauschen. Der Kampf um die Befreiung der Kampfpilotin trete nun in die "entscheidende Phase", sagte er in einer Videobotschaft. Auch Moskau hat einen Deal mit Kiew bisher nicht ausgeschlossen.

Russland wird wegen des Prozesses im Westen massiv kritisiert. Unter anderem fordern die USA und Deutschland Sawtschenkos Freilassung. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier will bei einem Besuch an diesem Mittwoch in Moskau mit der russischen Führung unter anderem über den Fall sprechen. (APA, Reuters, 22.3.2016)

  • Nadia Sawtschenko wird in der Ukraine als Nationalheldin gefeiert.
    foto: reuters/stringer

    Nadia Sawtschenko wird in der Ukraine als Nationalheldin gefeiert.

Share if you care.