Wegwerf-Handys: Wie die Attentäter von Paris unentdeckt blieben

22. März 2016, 10:30
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Verschlüsselung dürfte bei der Planung der Attentate keine Rolle gespielt haben

Bei den Anschlägen in Paris am 13. November vergangenen Jahres kamen 130 Menschen zu Tode. Zu den Attentaten bekannt hatte sich die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS, auch "Daesh"). Vor kurzem ist nun ein Bericht veröffentlicht worden, der mehr darüber verrät, wie es den Attentätern gelungen war, ihre Taten über Monate hinweg vorzubereiten, ohne dabei von den Behörden entdeckt zu werden.

Die Erkenntnisse könnten die laufende Debatte rund um die Verschlüsselung von Mobiltelefonen beeinflussen. Während Apple diesbezüglich weiter im Clinch mit dem FBI liegt, war auch von französischen Behörden der Ruf nach Hintertüren lauter geworden. Auch in anderen Ländern entbrannten ähnliche Diskussionen. Doch wie es aussieht, verließen sich die Attentäter von Paris bei ihrem Vorgehen wohl gar nicht erst auf Verschlüsselung, analysiert nun Ars Technica. Sie setzten auf Wegwerf-Handys.

Entsorgtes Handy vor Bataclan entdeckt

In der französischen Hauptstadt arbeiteten im Vorfeld der Bluttaten drei Teams zusammen, die in puncto Kommunikation mit hoher Disziplin vorgingen. Sie besorgten sich neue, billige Mobiltelefone mit Prepaid-SIM-Karten, die sie nur kurze Zeit verwendeten und anschließend entsorgten.

Außerhalb des Bataclan, in dem die Attentäter das Feuer auf Besucher eines Konzerts eröffneten, hatten Ermittler etwa ein Samsung-Handy mit belgischer SIM-Karte in einem Mistkübel entdeckt, die erst am Tage des Anschlags aktiviert worden war. Lediglich eine Telefonnummer war damit kontaktiert worden.

Wegwerftelefone auf Vorrat

Überall, wo die Attentäter sich länger aufgehalten hatten, fand man Telefone, die noch frisch verpackt waren. Ein weiteres Detail: Auf keinem benutzten Gerät, das man aufspüren konnte, waren E-Mails oder Messenger-Nachrichten entdeckt worden. Dies legt nahe, dass den Terroristen das Risiko der Überwachung über derlei Kanäle zu hoch war.

Doch anstatt verschlüsselt zu kommunizieren, verließ man sich offenbar ganz "altmodisch" auf Anrufe. Während die Möglichkeit, einfach Messenger mit integrierter Verschlüsselung zu nutzen, relativ neu ist, ist die Verwendung der Wegwerf-Handys eine altbewährte Taktik.

Vermutlich keine Verschlüsselung

Den einzigen Hinweis auf möglichen Verschlüsselungseinsatz liefert eine Augenzeugin, die einen Terroristen beim Einschalten eines Laptops beobachtet hat. Laut ihrer Aussage zeigten sich am Bildschirm lauter Zeilen voller unidentifizierbarem Code.

Während die New York Times darin Ähnlichkeiten zu bestimmten Verschlüsselungsprogrammen ausmacht, die der IS nach eigenen Angaben nutzt, weist ein ehemaliger Ars Technica-Redakteur darauf hin, dass der Rechner wohl einfach nur mit erweiterter Startprotokollierung hochgefahren wurde. Bei Cryptosoftware wären Nachrichten erkennbar gewesen, weil diese ja dazu dient, sie vorher zu dekodieren. (gpi, 22.03.2016)

  • Die Attentäter von Paris setzten auf Wegwerfhandys, Hinweise auf umfassenden Einsatz von Verschlüsselung gibt es bislang nicht.

    Die Attentäter von Paris setzten auf Wegwerfhandys, Hinweise auf umfassenden Einsatz von Verschlüsselung gibt es bislang nicht.

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