Klimawandel gefährdet Qualität französischer Weine

21. März 2016, 18:11
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In jüngster Vergangenheit haben französische Winzer zwar einige hervorragende Jahrgänge produziert. US-Forscher warnen nun aber vor Qualitätsverlusten

Cambridge/Wien – Der Ratschlag, der sich aus der Studie ableitet, gleich zu Beginn: Wer auch noch später im 21. Jahrhundert erstklassigen französischen Wein trinken will, sollte langsam damit anfangen, die Bestände im Weinkeller aufzustocken. Denn viel besser werden die Weine aus Frankreich vermutlich nicht mehr.

Das behaupten zumindest US-Wissenschafter um Benjamin Cook (Klimaforscher an der Columbia University), die für die vergangenen 400 Jahre alle verfügbaren Daten zum Zeitpunkt der Traubenernte in französischen Weinregionen gesammelt haben. Dabei sprangen den Forschern vor allem zwei Entwicklungen ins Auge, wie sie im Fachblatt "Nature Climate Change" berichten.

Zu früh, zu warm

Zum einen findet die Traubenernte vor allem seit den 1980er-Jahren aufgrund des Klimawandels immer früher statt, was im Prinzip noch kein Problem für die Qualität des daraus gekelterten Weins wäre – im Gegenteil: Es gibt sogar einen positiven Zusammenhang zwischen einem frühen Erntedatum und der Weinqualität.

Zum anderen mehren sich aber die Anzeichen, dass diese Entwicklung in den kommenden Jahren in ihr Gegenteil umschlagen könnte: dass es nämlich in den Weinregionen zu warm wird, die Traubenernte zu früh und ohne Trockenperiode davor stattfindet und die Trauben zu eher mittelmäßigen Jahrgängen führen.

Einen buchstäblichen Vorgeschmack auf diese Entwicklung habe das Jahr 2003 geboten, sagt die Harvard-Evolutionsbiologin Elizabeth Wolkovich, eine der Koautorinnen der Studie: "In diesem Jahr war Europa von einer massiven Hitzewelle betroffen, und die Traubenernte fand früher statt als je zuvor. Die Weine waren von sehr gemischter Qualität."

Langfristige Trends

Der Grund dafür war, dass es in diesem Sommer nicht nur heiß war, sondern noch dazu feucht. Und das könnte in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zum Normalfall werden. Eine Phase der Trockenheit vor der Ernte ist aber nötig, damit die Trauben das perfekte Verhältnis von Zucker und Säure besitzen.

Den US-Forschern geht es mit ihrer Studie aber nicht nur um die Weinqualität. Die Daten zur Traubenernte seit 1600 lassen langfristige Trends der Klimaerwärmung und deren Auswirkungen auf die Menschen besser vorhersagen. Für Winzer mag 2003 zwar ein schlechtes Jahr gewesen sein; viel schlimmer war letztlich, dass in diesem Sommer tausende Menschen in Europa infolge der Hitzewelle starben. (tasch, 21.3.2016)

  • Damit Säure und Zucker in den Trauben ideal ausbalanciert sind, braucht es vor der Weinlese Trockenheit. Doch die könnte künftig ausbleiben.
    foto: apa/dpa/ulrike koltermann

    Damit Säure und Zucker in den Trauben ideal ausbalanciert sind, braucht es vor der Weinlese Trockenheit. Doch die könnte künftig ausbleiben.

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