Türkische Journalistin bleibt aus Furcht vor Repressalien in Belgien

21. März 2016, 15:48
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Die Zeitung "Zaman" und das englischsprachige Schwesterblatt "Today's Zaman" waren Anfang März unter staatliche Aufsicht gestellt worden

Istanbul – Die ehemalige Chefredakteurin einer vormals regierungskritischen türkischen Zeitung will vorerst in Belgien bleiben, weil sie Repressalien ihrer Regierung gegen Journalisten fürchtet. "Ich werde in nächster Zeit nicht in die Türkei zurückkehren, nicht bis die Türkei ein sicheres Land für Journalisten wird", sagte Sevgi Akarcesme, ehemalige Chefin der "Today's Zaman", der dpa am Montag per Telefon.

Die Zeitung "Zaman" und das englischsprachige Schwesterblatt "Today's Zaman" waren Anfang März unter staatliche Aufsicht gestellt worden. "Zaman" wurde kurz darauf auf Regierungslinie gebracht und erschien mit einem Bild von Präsident Erdogan auf der Titelseite. "Unter Erdogan kann jeder Journalist festgenommen werden und für Reisen ins Ausland gesperrt werden", sagte Akarcesme. Medienberichte, sie habe Asyl in Belgien beantragt, dementierte sie.

"Zaman" steht der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen nahe, der im US-Exil lebt. Gülen war einst ein Verbündeter Erdogans, hat sich mit ihm aber überworfen. Erdogan sagte am Montag auf einer Veranstaltung in Istanbul: "Wir kämpfen nicht gegen Demokratie, sondern gegen Terror; nicht gegen Menschenrechte, sondern gegen Terrorakte." (APA/dpa, 21.3.0216)

  • Bulent Kenes, Chefredakteur der englischsprachigen Zeitung "Today's Zaman" am 9. Oktober 2015 in Istanbul.
    foto: ap/isa simsek

    Bulent Kenes, Chefredakteur der englischsprachigen Zeitung "Today's Zaman" am 9. Oktober 2015 in Istanbul.

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