Ferrari: "Wir müssen noch härter arbeiten"

21. März 2016, 14:50
18 Postings

Riskante Ferrari-Strategie machte Mercedes-Doppelsieg einfacher – Arrivabene: "War Lektion" – Gazetten halten Ferrari reif für Titel

Melbourne – Die erste Attacke von Ferrari ist ins Leere gegangen. Mit einer Angriffs-Strategie und einer riskanten Reifenwahl wollten die Italiener gleich beim WM-Start in Australien Mercedes den Meister zeigen. Bis auf Sebastian Vettels dritten Platz ging der Schuss aber daneben. Nico Rosberg gewann vor Lewis Hamilton, Mercedes feierte damit den 24. Doppelsieg seiner modernen WM-Geschichte.

Und schloss damit zu Ferrari auf, denn bis dahin hatten nur Michael Schumacher und Rubens Barrichello bei so vielen "Doubles" gehalten. Ob man bei Ferrari wegen der klaren Forderung nach dem WM-Titel übermotiviert war oder schon früh Druck verspürt, weiß man nur in Maranello. Italiens Gazetten sahen Ferrari jedenfalls durchwegs schon auf Augenhöhe. "Nur die Rote Fahne hat die Roten betrogen", schrieb "Tuttosport" und die Gazzetta dello Sport ist überzeugt: "Ferrari ist reif für die WM."

Falsche Wahl bei Ferrari

Auch Vettel gab sich zuversichtlich. "Wir sind sicher näher dran als im Vorjahr und in Bahrain wollen wir die Mercedes wieder ordentlich ärgern", sagte er am Ende eines Rennens, das er lange angeführt hatte. "Zu blöd, dass ich am Ende auch noch den Rasenmäher gemacht habe", nahm er seinen Ausritt beim Schlussangriff auf Hamilton mit Humor. "Na, brauche ich das wenigstens zu Hause nicht mehr zu machen."

Es fühlten sich aber auch jene Skeptiker bestätigt, die bei den Tests in Barcelona einen Motorschaden sowie Vibrationen am Ferrari ausgemacht hatten. Denn Kimi Räikkönen stellte in Melbourne seinen Dienstwagen brennend an der Box ab.

Dass der führende Vettel nach der 18-minütigen Unterbrechung wegen des Alonso-Unfalls erneut mit den weichsten Reifen los geschickt wurde, stellte sich am Ende als Fehler heraus. "Ich war richtig erleichtert, als ich das sah", wunderte sich selbst Sieger Rosberg. Der Deutsche stand wegen zwischenzeitlich überhitzter Vorderbremsen zwar selbst kurz vor dem K.o., das Problem erledigte sich laut Motorsportdirektor Toto Wolff aber von selbst.

Mit den Blitzstarts von Vettel und Räikkönen war Ferrari aber hauptverantwortlich für ein spannendes Rennen gewesen. Auch wenn sich nach der Unterbrechung der Plan von der "Flucht nach vorne" in Rauch auflöste.

Arrivabene: "Wir müssen noch härter arbeiten"

"Bis dahin waren wir sehr schnell", betonte Maurizio Arrivabene. "Wir wollen die rote Flagge aber nicht als Ausrede nehmen. Es zeigt nur, dass man seine Hühner nicht zählen soll, bevor sie geschlüpft sind", sagte der Ferrari-Teamchef. "Es war eine Lektion. Wir müssen noch härter arbeiten und noch demütiger agieren", gab er sich selbstkritisch.

Bei Mercedes herrschte Burgfrieden. Vorjahressieger Hamilton nahm Kritik, Rosberg habe ihn in der ersten Kurve abgedrängt, noch Sonntagabend zurück. Bemerkenswert blieb aber, dass der dreifache Weltmeister mit seinem überlegenen Auto lange Zeit keine Chance hatte, am Toro Rosso von Max Verstappen vorbei zu kommen.

Rosberg führte seinen schlechten Start darauf zurück, dass er auf der schmutzigen Seite los gefahren sei. Man müsse die Scuderia aber auf jeden Fall ernst nehmen", betonte der um seinen ersten Titel kämpfend Vizeweltmeister. "Wir werden die roten Jungs deshalb im Auge behalten."

Beachtlich schlugen sich die neuen Teams. Renault blieb zwar knapp ohne Punkte, dafür agierte Haas auch dank der Fehler bei Toro Rosso geradezu sensationell. Während Esteban Gutierrez Opfer der Alonso-Attacke wurde, fuhr Romain Grosjean von Startplatz 19 auf Rang sechs.

"Kurve drei hat eine dunkle Vergangenheit"

Das erste US-Team seit 30 Jahren holte damit als erster Neuling seit Toyota 2002 auf Anhieb WM-Punkte. Das bunt zusammengewürfelte Team von Gene Haas hat Potenzial.

Der glücklichste Mann neben Sieger Rosberg war nach dem heftigsten Formel-1-Unfall seit langem Fernando Alonso. "Kurve drei hat eine dunkle Vergangenheit", erinnerte die Zeitung "Herald Sun" daran, dass dort 1996 der Jordan von Martin Brundle in zwei Teile zerrissen worden war und 2001 ein weg geflogener Reifen von Jacques Villeneuves BAR einen Streckenposten getötet hatte.

Am Ende flog auch wieder eine Mercedes Kappe. Diesmal "bewarf" aber Vettel vor der Siegerehrung den zweitplatzierten Hamilton, der mit so einer Aktion 2015 in Austin bei Rosberg für Ärger gesorgt hatte. Diesmal war alles nur Spaß. (APA,21.3.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa/afp/crock
Share if you care.