"Mirjam & Myriam": Kein Ponyhof

22. März 2016, 07:00
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Im Dschungel Wien

Das Wort "Mädchen" ist ein Diminutiv, die Verkleinerungsform: Mädchen wie Bübchen. Das darf man nicht in die falsche Kehle kriegen. Deshalb: Was macht ein Mädchen aus? Wie sieht es aus? Was sind seine Träume, Abgründe? Und warum setzt es 200 Euro Geldstrafe, wenn man einen Polizisten als "Mädchen" bezeichnet? Die Theatermacherin Katharina Kummer, Absolventin der Ernst-Busch-Schule, geht diesen Fragen in Mirjam & Myriam nach – für Publikum ab fünfzehn Jahren.

Dialog einer Einzigen

Im Rundkreis der Zuschauer stellen zwei Schauspielerinnen, deren Namen sich mit den Figuren des Stücks gleichen (Myriam Rossbach und Mirjam Schollmeyer), Behauptungen auf, imaginieren Situationen, überrumpeln einander und führen einen Dialog, der nahelegt, beide vertreten in Wahrheit die Gedanken ein- und derselben Person.

Die Stimmung ist nicht unbedingt rosig, aber auch nicht so defätistisch wie im Roadmovie Baise Moi von Virginie Despentes, das für die Regisseurin Ausgangsidee war. Hier geht es um eine aus existenziellen Nöten und Freuden abgeleitete Begriffsklärung – komplex und (über)fordernd. Das Besondere ist der Tonfall des Forschergeistes jenseits forcierter Kampfmädchenparolen. (afze, 22.3.2016)

Dschungel Wien, "Mirjam & Myriam", 30., 31. 3. und 1. 4., 10.30/20

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