Joakim Eskildsen: Blick auf die Ränder

21. März 2016, 17:08
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"A world I can believe in": FO.KU.S zeigt eine Werkschau des international renommierten dänischen Fotografen

Innsbruck – Vor düsterem Hintergrund bringt der Schein einer einzelnen Lampe den blonden Lockenkopf eines kleinen Kindes zum Erstrahlen. Es sitzt bei Tisch, vorgebeugt, das Gesicht von einem Schüsselchen verdeckt, aus dem es die letzten Tropfen trinkt.

An seiner Seite lugt hinter der massiven Tischkante die Nasenspitze seines Teddys hervor. Diese Fotografie vermittelt die Einsamkeit einer Kinderseele und berührt durch ihre poetische Schönheit. Sie entstammt der aktuellen Serie Home Works des renommierten dänischen Fotografen Joakim Eskildsen.

Mit der Geburt seiner beiden Kinder hat er damit begonnen und setzt sie fort, solange es ihm seine Kinder gestatten. Eskildsen komponiert diese farbenprächtigen Großformate in eindrucksvollen Stimmungen, die er ausschließlich aus natürlichen Lichtquellen speist. Und sie erzählen von einer rührend unschuldigen Kindheit in einfacher, naturnaher Umgebung, die aus heutiger Sicht wie aus der Zeit gefallen scheint.

Fotochronist der Ausgegrenzten

Bereits mit vierzehn Jahren weiß Joakim Eskildsen (geboren 1971 in Kopenhagen), dass er Fotograf werden möchte. Erste Lektionen im Handwerk erhält er von der Hoffotografin der dänischen Royals. Später studiert er an der Universität für Kunst und Design in Helsinki. Doch es sind nicht die Reichen und Schönen, die ihn interessieren, es zieht ihn zu jenen am Rand, zu den Armen und Ausgeschlossenen.

Er unternimmt ausgedehnte Reisen zu den Roma nach Ungarn, Indien, Griechenland, Rumänien, Frankreich, Russland und Finnland, verbringt viel Zeit mit den Menschen, gewinnt ihr Vertrauen und wird zum Fotochronisten dieser ausgegrenzten Volksgruppe.

Realitäten

Das entstandene Werk The Roma Journeys (Steidl) markiert seinen internationalen Durchbruch. Das TIME Magazine beauftragt ihn, Armut in den USA zu dokumentieren. Der Band American Realities, eine Bestandsaufnahme der Wirklichkeit jenseits des amerikanischen Traums, wird heuer bei Steidl publiziert. Das FO.KU.S zeigt derzeit Eskildsens beeindruckende Schau A world I can believe in, die auf sieben Werkserien und auf seinen handgefertigten Fotobüchern basiert. Es ist übrigens seine erste in Österreich. (Dorothea Nikolussi-Salzer, 21.3.2016)

Bis 7. 5., FO.KU.S Foto Kunst, Stadtforum 1 (Erlerstraße), 6020 Innsbruck

www.btv-fokus.at

  • Eindrucksvolle Stimmungen, die der Fotograf in seinen Großformaten ausschließlich aus natürlichen Lichtquellen speist: eine Arbeit aus Eskildsens Serie "Home Works".
    foto: joakim eskildsen

    Eindrucksvolle Stimmungen, die der Fotograf in seinen Großformaten ausschließlich aus natürlichen Lichtquellen speist: eine Arbeit aus Eskildsens Serie "Home Works".

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