Die Gatterjagd steht in Salzburg auf dem Prüfstand

21. März 2016, 14:11
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Tierschützer fordern Verbot, Grüne wollen Verbotsmöglichkeiten prüfen, ÖVP-Landesrat arbeitet an Beschränkung

Salzburg – Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) unternimmt erneut einen Anlauf, die Gatterjagd zu verbieten. Die Aktivisten streben eine Änderung des Salzburger Jagdgesetzes an und haben eine Einlage an den zuständigen Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) geschickt.

Vier Gutachten stützen ihre angedachten Änderungen. Die Wiener Wildbiologin Karoline Schmidt bezeichnet die Treibjagden in abgeschlossenen Gebieten als "unnötig und unsinnig". Die Treibjagden würden unter dem Wild Stress auslösen, worunter auch die Fleischqualität leide. Laut dem Gutachten des Verfassungsrechtlers Stefan Hammer sei der Landesgesetzgeber befugt, die bestehenden Möglichkeiten der Gatterjagd aus Gründen des Tierschutzes einzuschränken. Das Land könne die Gatterjagd auch generell als zumindest potenziell tierquälerisch einstufen und damit verbieten.

Aus Schwaigers Büro heißt es, an einer Gesetzesänderung werde ohnehin schon seit Jänner gearbeitet. Ziel sei es, künftig keine neuen Gatter mehr beantragen zu können. Bei den Bestehenden sollen der Betrieb und die Überwachung verschärft werden. Es müssten genaue Aufzeichnungen über die Jagd geführt werden und die Aussetzung von Wild solle nur noch eingeschränkt – etwa zur Bestandswiederbegründung nach Seuchen oder zur Blutauffrischung – erlaubt sein. Zudem werde ein Fütterungsverbot für Wildschweine diskutiert.

Die Grünen haben Anfang Februar im Landtag einen Antrag eingebracht, die gesetzlichen Möglichkeiten für ein Verbot der Jagd auf Zuchttiere und die Gatterjagd zu prüfen. In Salzburg gibt es derzeit drei Wildgehege.

Mayr-Melnhof und Balluch klagten sich gegenseitig

Der angeregten Gesetzesänderung geht ein lang schwelender Streit zwischen VgT-Obmann Martin Balluch und dem Salzburger Unternehmer Maximilian Mayr-Melnhof voraus. Nach einer Wildschweinjagd im Gatter auf Mayr-Melnhofs Grundstück bei Anthering, bei der die Tierschützer anwesend waren, haben sich beide Seiten mit einer Vielzahl an Klagen eingedeckt. Der VgT hat gegen Mayr-Melnhof Anzeigen wegen Tierquälerei, Sachbeschädigung und Nötigung eingebracht. Der Großgrundbesitzer reichte daraufhin Anzeigen wegen Besitzstörung, Verleumdung und Rufschädigung ein. Die Ermittlungen gegen Mayr-Melnhof wurden eingestellt.

Der Verein gegen Tierfabriken strebt ein bundesweites Verbot der Gatterjagd in Österreich an. Derzeit ist sie neben Salzburg noch im Burgenland, Wien und Niederösterreich erlaubt. In Wien und dem Burgenland sei ein Verbot bereits auf Schiene, meint Vgt-Obmann Balluch. In Niederösterreich sei man gesprächsbereit. (Stefanie Ruep, 21.3.2016)

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