Geheimaktion: Jemenitische Juden nach Israel gebracht

21. März 2016, 12:25
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Anstieg antisemitischer Übergriffe – Noch etwa 40 in Sanaa verbliebene Juden

Tel Aviv – Eine Gruppe der letzten noch im Jemen lebenden Juden ist in einer geheimen Aktion nach Israel gebracht worden. 19 Menschen aus dem arabischen Land seien in den vergangenen Tagen im jüdischen Staat eingetroffen, teilte die für Einwanderung zuständige Jewish Agency am Montag mit.

Insgesamt seien in den vergangenen Jahren rund 200 Juden heimlich aus dem Jemen nach Israel gebracht worden. Als Hintergrund wurden ein Anstieg antisemitischer Übergriffe sowie der Krieg in dem Land südlich von Saudi-Arabien genannt.

Jahrtausendealte Geschichte

Unter den Neuankömmlingen sei eine fünfköpfige Familie aus Sanaa. Der Vater des Familienoberhaupts sei 2012 bei einer antisemitischen Attacke getötet worden. Aus der Stadt Raida kamen den Angaben zufolge 14 Menschen, darunter der Rabbiner der Gemeinde. Er habe eine Tora-Rolle mitgebracht, die vermutlich älter als 500 Jahre sei.

Nathan Sharanski, Leiter der Jewish Agency, sprach vom "Ende einer historischen Mission". In der Operation Fliegender Teppich hatte Israel in den Jahren 1949 und 1950 knapp 50.000 Juden aus dem Jemen nach Israel gebracht. Die Juden im Jemen haben eine jahrtausendealte Geschichte.

Nach Medienberichten half das US-Außenministerium bei der jüngsten Geheimaktion. Rund 50 Juden sind nach Angaben der Jewish Agency noch im Jemen geblieben, davon 40 in der Hauptstadt Sanaa. Sie lebten dort in einer geschlossenen Anlage neben der US-Botschaft und würden von jemenitischen Behörden geschützt, hieß es in der Mitteilung. Israel und der Jemen unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.

Streit um Aufnahme von äthiopischen Juden

Während Israel den Abschluss der Umsiedlung aus dem Jemen am Montag feierte, gibt es heftigen Streit um die blockierte Aufnahme der Nachfahren äthiopischer Juden. Fast 2.000 Demonstranten zumeist äthiopischer Abstammung forderten am Sonntag bei einer Demonstration in Jerusalem, etwa 9.100 ihrer seit Jahren in einem Übergangslager bei Addis Abeba wartenden Verwandten endlich einreisen zu lassen.

Bei diesen sogenannten Falasch Mura handelt es sich um die Nachfahren von Juden, die im 18. und 19. Jahrhundert oftmals unter Zwang zum Christentum konvertiert sind. Israels Regierung hatte im November ihre Aufnahme "aus humanitären Gründen zum Zweck der Familienzusammenführung" beschlossen, vor zwei Wochen aber überraschend erklärt, es gebe dafür nun keine Haushaltsmittel.

Häufige Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe

Die Demonstranten beschuldigten die rechtsgerichtete Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor dessen Amtssitz, aus rassistischen Motiven die Umsiedlung zu verhindern. Die 135.000 israelischen Bürger äthiopischer Abstammung, die in den 80er-Jahren ins Land kamen, beklagen sich häufig über Diskriminierungen aufgrund ihrer Hautfarbe.

Zwei Parlamentsabgeordnete aus Netanjahus Likud-Partei boykottieren aus Protest gegen den mit Budgetzwängen begründeten Aufnahmestopp gegenwärtig alle Abstimmungen in der Knesset. Da die Regierungsparteien dort nur mit einer Stimme die Mehrheit hält, könnte der Streit um die Falasch Mura in eine ernsthafte Koalitionskrise münden. (APA, 21.3.2016)

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