Kaufgrund gesucht: Apple kämpft gegen iPad-Sinnkrise

21. März 2016, 11:32
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Verkaufszahlen der Tablets sinken – Neupositionierung als 2-in-1-Gerät soll neue Anreize liefern

Stimmen die Gerüchte, dann wird Apple in Kürze ein neues iPad im bekannten 9,7-Zoll-Format vorstellen. An sich keine große Neuigkeit, immerhin bringt der Konzern aus Cupertino üblicherweise jährlich eine neue Generation auf den Markt. Allerdings ist heuer mit der einen oder anderen Änderung, inspiriert vom iPad Pro, zu rechnen.

Dass Apple versucht, das nächste iPad auch abseits des üblichen Upgrade von Prozessor und Kamera aufzufrischen, ist nicht verwunderlich. Denn die Absatzzahlen sind im Sinkflug. Das Unternehmen, so schreibt Wired, sucht einen neuen Kaufgrund für sein Tablet.

Erbstücke vom iPad Pro

Ein magnetischer Konnektor, ein LED-Blitz für die Kamera und eine Hülle mit integriertem Keyboard sowie Apple Pen-Support: Diese Elemente soll das nächste Tablet im "Standardformat" von der Pro-Version erben. Vermarktet wird es entweder einfach als "iPad Air 3" oder als "das kleinere iPad Pro". In jedem Fall wird man die interessierte Kundschaft davon überzeugen müssen, dass es sich für produktive Arbeit einsetzen lässt, statt nur auf Medienkonsum ausgelegt zu sein.

Damit soll auch Besitzern älterer iPads ein Wechsel schmackhaft gemacht werden. Laut Localytics-Daten vom November 2015 ist immer noch das iPad 2 aus 2011 das meistgenutzte Modell unter den Apple-Tablets. Seitdem wurde die Reihe stets mit schnelleren Chips, Displays mit höherer Auflösung und besseren Kameras bestückt. Dazu verschlankte Apple das Gehäuse und führte neue Farbvarianten ein. Für viele Nutzer schien das aber nur mäßigen Anreiz zu liefern, mehrere hundert Euro in ein aktuelles Modell zu stecken.

Keine "klassischen" Tablets mehr

Das Vorgehen würde auch einem von Apple gern gepflegten Muster entsprechen. Ein Top-Modell, hier das iPad Pro, erhält eine Reihe neuer Features, die dann langsam auch Einzug bei anderen Geräten halten. Bei den Marktforschern von IDC vermutet man, dass das Unternehmen dazu auch neue Softwarefeatures liefern wird, die auf älteren iPads nicht funktionieren.

Dazu dürfte dies auch der Anfang vom Ende für Geräte sein, sie ausschließlich Tablets ohne besonderer Erweiterbarkeit sind. Deren Verkaufszahlen sind mittlerweile nicht nur bei Apple, sondern allgemein rückläufig. Das iPad Air und das iPad Mini haben in ihrer aktuellen Form keine Zukunft.

Zunehmend gefragt sind Geräte mit 2-in-1-Anspruch, oft auch "Convertibles" genannt, nicht nur in dem großen Formfaktor des iPad Pro. Dass Firmenchef Tim Cook das iPad Pro die "klarste Vision unserer Zukunft" ist kein Zufall. Generell geht der Trend zu einem Verschwimmen der Grenzen zwischen den Geräteklassen – das beweisen etwa Geräte wie Microsofts Surface-Reihe, das Continuum-Konzept oder auch Googles Pixel C.

Neuer Markt, neue Probleme

Für Apple eröffnet das neue Spielfeld aber auch neue Probleme. Denn um als Produktivitäts-Device überzeugen zu können, müssen möglichst viele Apps für die Verwendung im Querformat sowie mit Stift und Keyboard optimiert werden. Und hier soll es auch mehrere Monate nach Veröffentlichung des iPad Pro noch mangeln. Folglich muss Apple daran arbeiten, seine regulären iPad-Modelle möglichst schnell mit "Pro-Tablets" abzulösen.

Zwei mögliche Szenarien ergeben sich hier für den Konzern: Entweder kann man die Kundschaft davon überzeugen, ein 2-in-1-iPad zu benötigen, oder man wird früher oder später selber zu der Einsicht gelangen, dass es keinen ausreichenden Bedarf daran gibt. (gpi, 21.03.2016)

Links

Wired

Apple

  • Notebookersatz mit Tastatur und Stift – Apple dürfte klassische Tablets mit dem Convertible-Konzept ersetzen.

    Notebookersatz mit Tastatur und Stift – Apple dürfte klassische Tablets mit dem Convertible-Konzept ersetzen.

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