Ein Korb voll knallroter Ostereier im blassrot-blauen Land

21. März 2016, 13:51
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SPÖ-Präsidentschaftskandidat Rudolf Hundstorfer besuchte das Burgenland und seine Einkaufszentren

Mattersburg – Es ist das A und das O des politischen Alphabets, dass die Menschen dort abzuholen wären, wo sie halt gerade sind. Am Freitagnachmittag zum Beispiel beim Einkaufen. Es war also nicht die schlechteste Idee der Wahlkampfmanager, den Rudolf Hundstorfer – "Rudi" nennt ihn das rot-weiß-rote Gewerkschafter-Transparent – in die Mattersburger Arena zu schicken.

Nicht, dass hier die Menschen sich, wie man so sagt, dertreten würden. Im Vergleich zum Stadtzentrum ist hier, im einstigen Nowhere an der Autobahnabfahrt, gleichwohl reger Betrieb. Die Filiale einer Büroartikelkette, Tiernahrung und -zubehör, ein Supermarkt, ein SPÖ-Bezirksbüro, ein Mäcki, ein Damenmodengeschäft, ein Elektromarkt, ein Damenmodengeschäft, ein Drogeriemarkt, ein Damenmodengeschäft.

Und an diesem Tag lockt auch Rudi Hundstorfer. Jedenfalls die mit den roten Jacken, die sich rund um die Wahlkampfsouvenir-Tische sammeln, die sie gleich unten im Eck, beim Damenmodengeschäft, aufgestellt haben.

Auftauchen und Erscheinen

Die Zeiten, als wahlkämpfende Politiker nicht bloß auftauchten, sondern erschienen, sind zwar vorbei. Eine entsprechende Entourage ist diesbezüglich aber schon hilfreich. Dann erscheint nämlich der Pulk und mittendrin er – "jetzt kommt er, schau".

Die Entourage hilft dank lokaler Verankerung – "Servas!", "d'Ehre!" – beim Anbahnen zwangloser Situationen. Dennoch ist es eine herausragende Eigenschaft politischer Personen, zuzugehen auf wildfremde Menschen im Begehr, von denen in weiterer Folge auch gewählt zu werden.

Ansehnliche Grandezza

Dem Rudolf Hundstorfer gelingt das mit ansehnlichen Grandezza. Ohne aufdringlich zu wirken, ist er das natürlich schon. Der Mattersburger Bezirkssekretär begleitet ihn mit einem Korb roter Eier. In den greift der rote Präsidentschaftskandidat immer wieder. Mit dem Ei wechselt auch ein Flyer den Besitzer. "Wie geht's?", fragt der Kandidat. "Passt schon", erwidert die potenzielle Wählerin.

Manchmal kommen, tatsächlich shoppend und also zufällig, weitschichtige Bekannte vorbei. Ein Betriebsrat aus dem halbamtlichen Bereich, für den der einstige Sozialminister ja auch zuständig gewesen ist: Wie am Personal eingespart werde, die Arbeit auf immer weniger Hände verteilt!

Das geliehene Ohr

Aber Klagen sind eher selten, obwohl Rudolf Hundstorfers Körperhaltung auf verblüffende Weise die Redewendung "jemandem sein Ohr leihen" zu illustrieren vermag. Aber schon drängen wieder die Termine. Es gilt, eierverteilend den Supermarkt aufzusuchen, die Drogerie, den Bettwäscheladen.

Das italophile Damenmodengeschäft: Das hat neu aufgesperrt, Hundstorfer eröffnet es quasi durch sein Erscheinen. Band war keines durchzuschneiden. Noch ist er ja nicht Präsident.

"Haben Sie sich was gefunden?", ruft er ganz unpräsidentiell – und unprätentiös – einer Kundin zu. Hat sie, Gott sei Dank, eh schon. Aber in diesem Moment schien es tatsächlich, als könnte Rudolf Hundstorfer bei der Auswahl behilflich sein. "Politiker und Verkäufer: Die haben schon so einiges gemeinsam?", will DER STANDARD wissen. "Beide müssen authentisch sein", erwidert der Kandidat. Journalisten können sich die Antworten nicht aussuchen. Politiker dafür nicht die Fragen. So ist der Deal.

Radio Burgenland

Am selben Tag war Andreas Khol, der schwarze Wahlkämpfer, im Eisenstädter Einkaufzentrum. Zu Gast im ORF-Radio Burgenland erklärte er, der von ihm am liebsten gehörte Regionalsender sei "Radio Burgenland". Und zwar "wegen der Musikmischung". Im politischen Burgenland empfand das niemand als Einweimberln. Sondern als Spitze gegen das Landesstudio des Erwin Pröll, der ihm das alles ja eingebrockt hat.

Tags darauf streift Rudi Hundstorfer durch den Eisenstädter Einkaufstempel. Der Wirt der Bierinsel – die Männerverwahrstation – ermahnt die Mitarbeiterin wegen ihrer blau-karierten Bluse. Es komme doch der Hundstorfer.

Na ja, meint ein verwahrter Mann, über die Farbtreue ließe sich reden, hier im rot-blauen Burgenland. Der Kandidat ließ sich dann aber eh weiter vorne nieder, wo die Pensionisten und Pensionistinnen schon seiner harrten. (Wolfgang Weisgram, 21.3.2016)

  • Rudolf Hundstorfer kämpft wahl und leiht gerne sein Ohr den Anliegen derer, die da sind im Einkaufszentrum.
    foto: robert newald

    Rudolf Hundstorfer kämpft wahl und leiht gerne sein Ohr den Anliegen derer, die da sind im Einkaufszentrum.

  • Eierpecken mit der Mattersburger SPÖ-Stadträtin Raffaela Strauß. Auch das gehört zum vorösterlichen Wahlkämpfen.
    foto: robert newald

    Eierpecken mit der Mattersburger SPÖ-Stadträtin Raffaela Strauß. Auch das gehört zum vorösterlichen Wahlkämpfen.

  • Der Osterkorb ist einfärbig gefüllt im rot-blauen Burgenland.
    foto: newald

    Der Osterkorb ist einfärbig gefüllt im rot-blauen Burgenland.

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