Rosberg gewinnt Auftakt – Horror-Crash von Alonso

20. März 2016, 08:50
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Hamilton und Vettel in Melbourne auf den Plätzen zwei und drei – Alonso und Gutierrez überstanden Kollision mit Glück nahezu unverletzt

Melbourne – Langweilig, haarsträubend, spannend, erwartungsgemäß – das erste Rennwochenende der neuen Formel-1-Saison verlief abwechslungsreich, endete aber mit einem sattsam bekannten Ergebnis. Mercedes feierte den 24. Doppelsieg innert zweier Jahren. Der Deutsche Nico Rosberg setzte sich vor dem britischen Doppelweltmeister Lewis Hamilton durch. Der deutsche Vierfachweltmeister Sebastian Vettel pilotierte seinen Ferrari auf Rang drei.

Alter Quali-Modus schon in Bahrain

Das Qualifying am Samstag sah Hamilton vor Rosberg und Vettel, die zahlenden Zuseher sahen ziemlich in die Röhre. Der neue Modus mit dem Ausscheiden des jeweils Langsamsten alle 90 Sekunden sorgte für lähmende Langeweile. Anstatt eines Duells um die Pole Position gab es in den finalen vier Minuten ein Wettparken in den Boxen. Nicht ein Bolide schmückte da die Strecke im Albert Park. Es folgte kollektive Empörung über die Erfindung und eine für die aktuellen Machtverhältnisse im Zirkus sensationell schnelle Einigung darauf, schon vor dem zweiten Grand Prix in zwei Wochen in Bahrain zum alten Modus zurückzukehren.

Rennen nach Crash unterbrochen

Im Rennen ging es dafür 57 Runden lang hoch her. Am Start hatte der drittplatzierte Vettel Spitzenreiter Hamilton und Rosberg düpiert, die dann, im Zweikampf verstrickt, auch den zweiten Ferrari mit dem Finnen Kimi Raikkönen passieren lassen mussten. Ein haarsträubender Unfall veränderte in der 18. Runde aber alles. Der spanische Doppelweltmeister Fernando Alonso touchierte bei einem Überholmanöver mit seinem McLaren den neuen Haas-Boliden des Mexikaners Esteban Gutierrez. Der McLaren hob ab, überschlug sich in der Luft und zerlegte sich in seine Einzelteile. Beide Fahrer blieben unverletzt, aber das Rennen musste für die Aufräumarbeiten unterbrochen werden.

Vettel blieb bei seiner ursprünglichen weichen Reifenwahl, während die Mercedes gleich wechselten und danach mit Medium-Pneus durchfahren konnten. Trotz des vermeintlichen Vorteils konnte Vettel keinen Vorsprung herausfahren. Bald brachen seine Pneus ein, er verlor an der Spitze wertvolle Zeit und kam nach dem Reifenwechsel hinter den Silberpfeilen zurück auf die Strecke. "Wenn du den Sieg schon riechen kannst, ist es natürlich sehr bitter. Die rote Flagge hat uns leider überhaupt nicht geholfen, aber bis dahin haben wir es ihnen sehr schwer gemacht", sagte Vettel, der vom viertplatzierten Lokalmatador Daniel Ricciardo im gar nicht üblen Red Bull trotz eines Verbremsers kurz vor Schluss nicht gefährdet werden konnte.

"Erster Grand Prix, erster Sieg, wunderbar", sagte Rosberg nach seinem insgesamt 15. Rennsieg. "Und jetzt geht es weiter. Es sind noch 20 Rennen." Hamilton, von Rosberg zu Beginn fast von der Strecke gedrängt, nahm seine Niederlage bemerkenswert gelassen zur Kenntnis: "Von Platz sieben aus noch Zweiter zu werden nehme ich als Bonus."

Alonso: "Glücklich und dankbar, dass ich hier bin"

Glückspilz Alonso dankte dem Weltverband Fia für all die Sicherheitsmaßnahmen der vergangenen Jahre: "Vielleicht bin ich nur deshalb noch am Leben. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich hier bin, dass ich sprechen kann." Die Frage, was ihm während seiner Flugphase durch den Kopf gegangen sei, ließ den 34-jährigen Champion von 2005 und 2006 um Contenance ringen: "'Mutter!' Ich habe dauernd gedacht: 'Mutter schaut jetzt zu!'"

Sensationeller Grosjean

Alonsos ehemaliger Arbeitgeber Renault verpasste beim Wiedereinstieg als Werksteam die Punkteränge durch den britischen Neuling Jolyon Palmer knapp. Wahrhaft sensationell schlug sich aber das neue Team von Gene Haas. Die Ferrari-getriebenen US-Amerikaner jubelten über den sechsten Platz, den der Franzose Romain Grosjean ohne gröbere Probleme herausfuhr.

Proftiert hat Haas dabei von Ausfällen und von einer teaminternen Fehde bei Toro Rosso, das ebenfalls mit Ferrari-Motoren mehr herausholen hätte müssen als die Plätze neun und zehn durch Carlos Sainz jr. und Max Verstappen. Der 18-jährige Niederländer benahm sich ziemlich rowdyhaft, schimpfte im Funk wie ein Rohrspatz und hätte seinen Teamkollegen um ein Haar aus dem Rennen geworfen. (sid, lü, 20.3.2016)

  • Das erste Podest der neuen Saison entsprach in seiner Besetzung neun Podesten der vergangenen Saison: Lewis Hamilton, Nico Rosberg und Sebastian Vettel (v.li).
    foto: afp/ saeed khan

    Das erste Podest der neuen Saison entsprach in seiner Besetzung neun Podesten der vergangenen Saison: Lewis Hamilton, Nico Rosberg und Sebastian Vettel (v.li).

  • Der erste grobe Karbonsalat der neuen Saison.
    foto: afp/ max blyton

    Der erste grobe Karbonsalat der neuen Saison.

  • Fernando Alonso sollte den Trümmern seines McLaren unverletzt entsteigen: "Natürlich bist du dankbar, dass du am Leben bist."
    foto: afp/ paul crock

    Fernando Alonso sollte den Trümmern seines McLaren unverletzt entsteigen: "Natürlich bist du dankbar, dass du am Leben bist."

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