62 Tote bei Absturz einer Passagiermaschine im Süden Russlands

20. März 2016, 10:57
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Pilot verfehlte offenbar bei schlechter Sicht die Landebahn – Zwei Flugschreiber werden ausgewertet

Rostow am Don/Dubai – Alle 62 Menschen an Bord sind beim Absturz einer Passagiermaschine aus Dubai in Südrussland ums Leben gekommen. Die Maschine der Gesellschaft FlyDubai hatte in der Nacht zum Samstag bei Sturm zu landen versucht, beim zweiten Anflug krachte sie auf das Flughafengelände der Stadt Rostow am Don.

An Bord der Boeing 737-800 waren nach vorläufigen Angaben von FlyDubai 55 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder. Andere Flugzeuge, die nachts auf dem Airport etwa 1.000 Kilometer südlich von Moskau landen sollten, waren wegen des Sturms umgeleitet worden.

Experten untersuchen Blackbox

Die Bergungsmannschaften haben am Samstagabend den ersten großen Sucheinsatz beendet. Die gefundenen Opfer seien zur Identifizierung in die Stadt gebracht worden, sagte der russische Zivilschutzminister Wladimir Putschkow der Agentur Tass zufolge.

Nach Angaben von Verkehrsminister Maxim Sokolow begannen Experten mit der Auswertung der beiden gefundenen Flugschreiber.

Missglückter Landeanflug

Der Pilot der Maschine aus Dubai hatte nach einem missglückten Landeanflug zunächst zwei Stunden über der Region gekreist. Eigentlich habe er auch den verhängnisvollen zweiten Anflug abbrechen wollen, berichtete der Sender Rossija24 unter Berufung auf Ermittler. "In dem Moment, als er eine weitere Schleife fliegen wollte, ist etwas geschehen, und die Maschine ist abgestürzt", sagte ein Korrespondent.

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Bilder einer Überwachungskamera zeigen, wie das Flugzeug in steilem Winkel vom Himmel fällt

FlyDubai, eine Billigfluglinie aus dem Golfemirat Dubai, vermutete einen Unfall als Ursache. "Es tut mir leid sagen zu müssen, dass wir davon ausgehen, dass es keine Überlebenden gibt", erklärte Firmenchef Ghaith Al Ghaith. Beide Piloten hatten seinen Angaben nach etwa 5.700 Stunden Flugerfahrung. Wie die russischen Behörden schloss er einen Terroranschlag aus. FlyDubai gehört nicht zur bekannteren Fluglinie Emirates aus Dubai. Für die seit 2009 operierende Firma ist es der erste Unfall.

Flydubai kündigte an, den Familien eine Entschädigung von 20.000 Dollar bezahlen zu wollen (etwa 17.750 Euro). Damit sollen unmittelbare finanzielle Bedürfnise abgedeckt werden.

250 Meter von Landebahn entfernt abgestürzt

Gegen 3.40 Uhr Ortszeit (1.40 Uhr MEZ) stürzte die Maschine nach Angaben des russischen Katastrophenschutzes in steilem Winkel 250 Meter von der Landebahn entfernt ab, zerbrach und ging in Flammen auf. Bei Tageslicht versuchten 700 Rettungskräfte, die Trümmer und die Opfer zu bergen. Sie fanden am Vormittag auch die beiden Flugschreiber der Unglücksmaschine.

Im Flughafengebäude kümmerten sich Notfallärzte und Psychologen um die verzweifelten Angehörigen. Die Passagiere waren nach Angaben von FlyDubai 33 Frauen, 18 Männer und vier Kinder. Die meisten waren russische Touristen auf dem Heimflug. Außerdem saßen acht Ukrainer, zwei Inder und ein Usbeke in der Maschine. Die Besatzung von Flug FZ981 kam unter anderem aus Griechenland und Spanien.

Russland durchlebt zum zweiten Mal binnen eines halben Jahres derartige Szenen: Ende Oktober 2015 war ein russischer Touristenflieger mit 224 Menschen nicht nach St. Petersburg zurückgekehrt, sondern nach einer Bombenexplosion über dem Sinai in Ägypten abgestürzt.

Fluglotsen werden überprüft

Die russische Staatsanwaltschaft kündigte an, sie werde das Verhalten der Fluglotsen überprüfen. Während die Maschine aus Dubai kreiste, versuchte eine Maschine der russischen Aeroflot aus Moskau dreimal vergeblich, in Rostow zu landen.

Schließlich landete dieser Airbus sicher etwa 250 Kilometer entfernt auf dem Flughafen von Krasnodar. Auch ein Flug von Czech Airlines aus Prag wurde dorthin umgeleitet. Eine Maschine von Turkish Airlines kehrte nach Istanbul zurück.

Boeing war erst fünf Jahre alt

Die Luftfahrbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate erklärte, sie vermute Wetterumstände als Ursache des Absturzes. FlyDubai habe die modernste Flotte und professionelle Besatzungen. Die Boeing 737-800 mit dem Kennzeichen A6-FDN war erst fünf Jahre alt.

Das bisher letzte schwere Unglück einer ausländischen Fluglinie in Russland war der Absturz eines Airbus A320 der armenischen Armavia im Mai 2006. Damals kamen bei Sotschi am Schwarzen Meer 113 Menschen ums Leben. (APA, 19.3.2016)

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    grafik: apa
  • Feuerwehrmänner am Unglücksort.
    foto: reuters

    Feuerwehrmänner am Unglücksort.

  • Angehörige der Opfer trauern.
    foto: apa / venyavsky

    Angehörige der Opfer trauern.

  • Wrackteile auf der Flughafen Rostow
    foto: apa/afp/russian emergency ministry

    Wrackteile auf der Flughafen Rostow

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