Der Papst auf Instagram: Wo Franciscus Herzen zufliegen

20. März 2016, 11:42
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Das Kirchenoberhaupt erschließt ein neues soziales Netzwerk, 1,2 Millionen Nutzer folgen ihm. Doch es gibt dort auch offensichtlich gefakte Accounts

Um das Pontifikat in Bildern zu erzählen, eröffnete der Papst Samstagmittag einen Auftritt auf Instagram. "Ich beginne einen neuen Weg auf Instagram", kündigte er auf Twitter an. Dort nennt er sich Franciscus, lateinisch für Franziskus, und erwartet die Nutzer mit einem Foto, das ihn im Gebet versunken zeigt: "Betet für mich" steht da in neun Sprachen. 1,2 Millionen Abonnenten hat der 79-jährigen Kirchenmann Sonntagmittag bereits versammelt. Im dritten Eintrag, einem verschwommenen Video, erklärt er den staunenden Instragram-Nutzern, mit ihnen "den Weg der Barmherzigkeit und der Zärtlichkeit Gottes zu gehen".

Der Papst im Like-Vergleich

Vergleicht man die "Likes", also die Herzen, die Nutzer zustimmend vergeben können, hat der Papst noch Luft nach oben. Sein erstes Foto hat Sonntagmittag 221.000 Herzen. Ein Blick in die Instagram-Statistik zeigt: Weltlichere Motive räumen weitaus mehr Likes ab. Das beliebteste Foto 2015 war "Herz-Frisur" des Reality-TV-erfahrenen Models Kendall Jenner" mit derzeit 3,5 Millionen Likes, gefolgt von der Sängerin Taylor Swift, die sich über Rosen von Kanye West freut, mit 2,6 Millionen Likes. Das soziale Netzwerk zählt weltweit 400 Millionen Instagrammer.

Ein von Kendall Jenner (@kendalljenner) gepostetes Foto am

Kritik an sozialen Netzwerken

Die Präsenz des Papstes auf Instagram ist kein eindeutiges Bekenntnis zu sozialen Netzwerken, sie bedeutet schlicht mehr Reichweite. Vor einem Jahr, im Juni 2015, kritisierte der Pontifex deren übermäßige Nutzung. Wirkliche Weisheit erlange man nicht "mit einer bloßen Anhäufung von Daten, die sättigend und benebelnd in einer Art geistiger Umweltverschmutzung endet". Mit dem "überwältigenden Angebot dieser Produkte" entstehe sogar "eine tiefe und wehmütige Unzufriedenheit in den zwischenmenschlichen Beziehungen oder eine schädliche Vereinsamung", erklärte er in seiner Umweltenzyklika.

Falscher Franciscus

Im Jänner 2016 warnte er zwar noch von einer weiteren Polarisierung und Spaltung der Menschen, sagte aber auch, dass die sozialen Netzwerke imstande seien, "Beziehungen zu begünstigen und das Wohl der Gesellschaft zu fördern". Man muss soziale Netzwerke ja nicht gleich verteufeln, aber dass sie verwirrend sein können, zeigt auch der Instragrammer Franciscus. Es gibt mehrere Accounts mit seinem Profilbild, doch nur einer ist mit dem blauen Häkchen der Verifizierung ausgestattet. (sb, 20.3.2016)

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