Renald Deppe: Kommunikativer Klang

18. März 2016, 17:32
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Der Musiker und Kurator gastiert am Samstag beim Festival Imago Dei. Ein Gespräch über Älterwerden und Kulturpolitik

Wien – Man schätzt ihn als so sensiblen, bei Bedarf auch impulsiven Saxofonisten, bewundert Renald Deppe auch als Kurator, der Gespür für nicht im Rampenlicht stehende Kostbarkeiten hat (etwa mit der Reihe Lost & Found im Porgy & Bess). Und nun ist Renald Deppe am Samstag beim delikaten Festival Imago Dei zu Gast, um Ergebnisse einer kommunikativen Reise zu präsentieren, die ihn – und den mitgestaltenden Kollegen Michael Bruckner – nach Pakistan führte.

Das Ganze kreist um den Begriff makroPHONIA, zu erleben in der Kremser Minoritenkirche: Es geht dabei auch um spontane Improvisation mit pakistanischen Musikern, also Kommunikation – einen zentralen Begriff für Deppe, auch was Kulturpolitik anbelangt. "Es geht nicht nur darum, dass Kulturpolitik Geld gibt. Ist wichtig. Es geht auch um eine Kultur der Begegnung, es braucht einen kreativen Diskurs, und ich kann das auch in Wien nicht erkennen. Es fehlt eigentlich an Gesprächsbereitschaft, ich würde es fast Dialogverweigerung nennen", so Deppe, der 1955 in Bochum geboren wurde und auf viel Erfahrung auch in Belangen der Musikvermittlung verweisen kann.

Musizierhaltung? "Ich war immer ein Musiker, dem das "und" wichtig war: ,Musik und' – das ist geblieben, also die Verbindung mit Politik, Literatur und bildender Kunst." Der Nachteil: "Man schlittert in Überforderung, wir sind eben Mängelwesen. Musizieren bedeutet somit auch, mit den Mängeln klarkommen, selbst mit 60 finde ich das noch toll."

Wie war es, 60 zu werden? "Ich habe an jene Millimeter gedacht, die ich in meiner Entwicklung zuwege gebracht habe. Prinzipiell macht man ja im Leben immer die gleichen Fehler, arbeitet daran, aber es ist schwer. Selbstüberforderung gehört auf alle Fälle dazu. Man will mehr, als man leisten kann. Man sollte lernen, Nein zu sagen. Sollte. Innerlich fühlt man sich leider wie 25, aber ich bin nicht 25 ..."

Egal, Musik ist zu machen: "Das Geheimnis des Klanges, eines der schönsten Geheimnisse", dem gilt es, schöpferisch nachzugehen. Und natürlich wird auch das Kuratieren nicht aufgegeben, solange es etwa die Reihe in der "Strengen Kammer" des Porgy & Bess gibt, der als einer der bedeutendsten Musiklubs Europas nach Sponsorenausfall nach wie vor in keiner beneidenswerten Finanzsituation steckt.

Doch: "Junge Musiker brauchen Spielerfahrung, sonst wird es schwer, es gibt viel Talente." (Ljubisa Tosic, 18.3.2016)

  • Beim Festival Imago Dei: Renald Deppe, engagierter Förderer junger Musiker und selbst einer der vielseitigsten Künstler zwischen Improvisation und Komposition.
    foto: katharina zidek

    Beim Festival Imago Dei: Renald Deppe, engagierter Förderer junger Musiker und selbst einer der vielseitigsten Künstler zwischen Improvisation und Komposition.


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