BBC gegen Tod der Nachrichtensender

19. März 2016, 09:00
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Vor 25 Jahren startete BBC World News – Brisante Fragen wie Adblocking und Streamingkonkurrenz sieht man mit britischer Gelassenheit

Es war im ersten Golfkrieg 1991. Stephen Sackur trug die britische Uniform und bediente ein Ding, an das er sich heute mit Schmunzeln erinnert: "Es wog eine halbe Tonne, aber wir konnten erstmals live und direkt von der Front berichten." Das Ding war ein Funktelefon, und "live" war relativ zu verstehen: "Es dauerte Stunden, ehe wir übertragen konnten. Worüber wir berichteten, war dann meistens schon vorbei", sagt Sackur, Moderator der Newsshow Hardtalk im Programm von BBC World News.

Selbstverständlich schnell

25 Jahre später wirkt die Anekdote wie aus einem anderen Zeitalter. Geschwindigkeit ist im Nachrichtengeschäft inzwischen so selbstverständlich geworden, dass bei einer Presseeinladung zum Jubiläum von BBC World News, dem internationalen 24-Stunden-Nachrichtendienst, nicht eigens darauf verwiesen werden muss.

Als 30-minütige Sendung ging World Service Television (WSTV) am 11. März 1991 an den Start. Zwölf Journalisten waren an Bord und produzierten Nachrichten für 700.000 Abonnenten. Seit 21. April 2008 trägt WSTV den jetzigen Namen BBC World News und erreicht mehr als 400 Millionen Haushalte in nahezu jedem Land der Welt.

Pro Woche schalten mehr als 80 Millionen Zuschauer ein. Das Programm finanziert sich nicht aus den rund 3,7 Milliarden Pfund an jährlichen Rundfunkgebühren, sondern erwirtschaftet sich rein kommerziell: "Ein Drittel kommt aus Verkaufserlösen von Pay-TV-Betreibern, die BBC World News in ihrem Angebot haben", sagt Jim Egan, CEO von BBC Global News. "Der Rest finanziert sich durch TV- und Online-Werbung." Zu empfangen ist BBC World News über Kabel und Astra.

3000 Journalisten

Produziert werden die Nachrichten, wie alle Programme der BBC, im Stammhaus am Londoner Portland Place mitten in der Stadt. Das Haus beheimatet seit 2013 rund 3000 Journalisten sowie Mitarbeiter für Produktion und Betrieb. Auch wenn nach nur drei Jahren schon alles etwas abgewohnt wirkt und ein zarter Essensgeruch durch den Großraum schwebt, habe sich das System des multimedialen Newsrooms mit 650 Desktops auf einer Ebene bewährt, sagt Richard Porter, Digital Director von BBC Global News: "Wir haben seit dem Umzug nicht sehr viel verändert." Nur Fotos und Filmaufnahmen auf der offenen Newsroom-Ebene sind verboten. Die Mitarbeiter fühlten sich zu sehr beobachtet.

Mittendrin sitzt Diane Rusk, Social-Media-Beauftragte und dafür verantwortlich, dass BBC News auf Facebook mehr als 28 Millionen mögen. Bespielt werden alle Ebenen, eigene Inhalte produziert, für Instagram etwa Sechssekundenvideos. Der Snapchat-Auftritt ist geplant, erzählt Rusk. "Wir sehen Snapchat als Möglichkeit, unsere Storys zu erzählen."

Adblocking

Das Thema der Stunde ist in so gut wie allen Medienhäusern Adblocking. "Eine finanzielle Herausforderung", sagt Egan. So richtig sei man damit aber noch gar nicht konfrontiert. "Wir haben nicht die Art der Websites, die User zum Blocken von Werbung einladen", sagt Porter. Er glaubt nicht, dass Adblocking für die BBC "das ganz große Thema für die nächsten fünf, sechs Jahre bleiben wird".

Mehr beschäftigt die Frage, ob und wie lange herkömmliches Nachrichtenfernsehen noch sein Publikum finden wird. Doch auch hier zeigt sich die Führung britisch gelassen: "Wir sehen noch nicht den weltweiten Trend. In Osteuropa, Nordafrika, Teilen Asiens wird Fernsehen breiter zu besetzen sein – Streaming, mobile Nutzung. Es ist definitiv zu früh, den Tod von Nachrichtensendern auszurufen."

Expansion als Ziel

Egan rechnet mit Koexistenz und denkt sogar an Expansion: Engagements in Nordkorea kann er sich vorstellen, ausbaufähig sieht er das Büro im Iran. China hält er für vielversprechend, wobei: "In vielen Teilen des Landes sind wir geblockt", sagt Egan: "Aber immer mehr große Firmen wollen Publikum außerhalb Chinas erreichen. Werbung mit diesen Firmen ist in den letzten Jahren um 100 Prozent gestiegen." (Doris Priesching aus London, 19.3.2016)

Der Besuch in London wurde teilweise unterstützt von der BBC.

  • Das Haus am Portland Place: Seit 2013 entsteht hier das Programm für die international ausgestrahlten BBC World News, das sich nicht über Gebühren, sondern über Werbung finanziert.
    foto: standard / doris priesching

    Das Haus am Portland Place: Seit 2013 entsteht hier das Programm für die international ausgestrahlten BBC World News, das sich nicht über Gebühren, sondern über Werbung finanziert.

  • Jim Egan ist Chef von BBC Global News.
    foto: bbc

    Jim Egan ist Chef von BBC Global News.

  • Richard Porter, Digital Director von BBC Global News.
    foto: bbc

    Richard Porter, Digital Director von BBC Global News.

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