A schware Partie

19. März 2016, 10:00
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Allgegenwärtiges Austriakum mit schillerndem Bedeutungsspektrum

Stoßen auch Sie in letzter Zeit häufig auf die Formel "a schware Partie"? Es handelt sich natürlich um eine Nachwirkung der omnipräsenten Bsuffballade "Ham kummst", in der das Hitparadenduo Seiler und Speer dramatische postalkoholische Beziehungskonsequenzen besingt ("Letzte Nocht / woa a schware Partie fia mi").

"Ham kummst" quillt seit Monaten konstant aus allen medialen Rohren, und noch ist kein Ende in Sicht. Kein Wunder also, dass sich die "schware Partie" im österreichischen Unbewusstsein ausgebreitet hat und von dort aus mächtig nach außen dringt: Für Leonardo DiCaprio war die Hauptrolle in "The Revenant" die "schwarste Partie", befindet "Heute". Was waren die ersten hundert Tage der rot-grünen Koalitionszusammenarbeit in Wien? Erraten: "A schware Partie" ("Österreich"). ÖVP-Klubobmann Reinhard Lopatka meint, das Erbe von Minister Hundstorfer werde für seinen Nachfolger Stöger "eine schware Partie" sein usf.

Österreichisch für Fortgeschrittene

Wie die blede G'schicht oder der g'fäulte Schmäh ist auch die schware Partie ein Austriakum, dessen schillerndes Bedeutungsspektrum sich nur dem fortgeschritten Österreichkundigen erschließt. Die schware Partie mit "Bürde", "Last" oder "mühseliges Unterfangen" zu übersetzen, wäre nicht völlig verfehlt, doch ginge dabei das ganze schöne Lokalkolorit verloren.

Eine besondere österreichische Bedeutung der "Partie" ist "die für eine spezielle Arbeit zusammengestellte Gruppe von Arbeitern". Was der "Duden" bei dieser Definition verschweigt, ist der häufig bei der Partie anklingende pejorative Unterton. Sobald jemand von der Richterpartie, der Ärztepartie oder der Journalistenpartie spricht, ist dies nicht als neutrale Bezeichnung, geschweige als Kompliment gemeint.

Die österreichische Partie paart sich nicht nur gern mit dem Adjektiv "schwar", auch "zaach" findet man häufig als ihren Trabanten. Was die schware von einer zaachen Partie unterscheidet, lässt sich hier aus Platzmangel nicht erörtern. Die p. t. Leserinnen und Leser mögen selbst in einer stillen Stunde über diese hochsubtile Bedeutungsdifferenz meditieren. (Christoph Winder, 19.3.2016)

  • Auch Regieren, zumal in einer großen Koalition, kann mitunter von den Beteiligten als "a schware Partie" empfunden werden. So buchstäblich wie im gleichnamigen Song von "Seiler und Speer" dürften es Reinhold Mitterlehner (li.) und Werner Faymann aber nicht einmal beim Opernball erlebt haben. Regieren heißt nämlich auch: die Form wahren.
    foto: apa / georg hochmuth

    Auch Regieren, zumal in einer großen Koalition, kann mitunter von den Beteiligten als "a schware Partie" empfunden werden. So buchstäblich wie im gleichnamigen Song von "Seiler und Speer" dürften es Reinhold Mitterlehner (li.) und Werner Faymann aber nicht einmal beim Opernball erlebt haben. Regieren heißt nämlich auch: die Form wahren.

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