Beim Essen kommt es auf die Menge an

Kolumne18. März 2016, 17:00
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Neue Erkenntnisse der Fettseinsforschung

Die Österreicher sind wie der Mond: Entweder sie nehmen zu, oder sie nehmen ab. Bisher noch in der Minderheit sind jene Offensivadipösen, die dem Abnehmen justament widersagen.

Man erkennt sie daran, dass sie ihre Wampe stolz vor sich hertragen wie einen Verdienstorden und ihre Garderobe aus "Bier formte diesen wunderbaren Körper"-T-Shirts besteht. Die Mehrheit aber lebt nach dem Rhythmus: lustvoll zunehmen, schuldbewusst abnehmen, lustvoll zunehmen usf.

Fürs Zunehmen zuständig sind Bäckereien, Brätereien, Brauereien, Schweinereien, Konditoreien, Fast-Food-Restaurants und der Jojo-Effekt. Fürs Abnehmen zuständig sind Abnehmexperten. An ihnen herrscht kein Mangel. Das 1.407.655. Buch zum Thema "Abnehmen" ist soeben erschienen, Elisabeth Polster, die Ex von Fußballgott Toni Polster, hat es verfaßt.

Wie jede Abnehmexpertin wirft auch Frau Polster eine persönliche Leidensgeschichte in die Waagschale: "Als ich noch mit Toni verheiratet war, habe ich irgendwann so viel gegessen wie er, bin danach oft auf der Couch eingeschlafen." Es folgten die Bradlfettn, die Fettpolster und die Fettleber, bis sich Frau Polster schließlich zu einer Ernährungsumstellung entschloss (kein Zucker, kein Weißmehl, keine schlechten Fette) und das Hüftgold dahinschmolz wie eine Kerze neben dem Hochofen.

Frau Polsters gute Nachricht aber lautet: "Ich esse noch immer gerne Kuchen. Nur auf die Menge kommt es an." Für die eisenharte Ausformulierung dieser uns allen bisher nur halbbewussten Wahrheit müssen wir Frau Polster dankbar sein. Im Übermaß verzehrt können auch kalorienarme Speisen zur Gewichtszunahme führen, während umgekehrt kalorienreiche in Maßen erlaubt sind. Daher: Obacht!

Hier ein paar Richtwerte, mit denen sie sich auf der sicheren Seite bewegen. Sauerkraut: höchstens ein Fuder pro Tag. Radieschen: nicht mehr als 400 pro Mahlzeit. Naschkatzen können sich ruhig gelegentlich ein Dutzend Köpfe Bummerlsalat (ohne Öl!) gönnen.

An Festtagen über die Stränge hauen? Kein Problem. Erlaubt sind ein Deka gebackener Emmentaler, vier Tropfen Sauce Trara, eine Pipette Bier, zum Nachtisch drei Unzen Tiramisu. In solch vernünftigem Ausmaß genossen verlieren selbst Dickmacher ihren Schrecken. Denn: Nur auf die Menge kommt es an. (Christoph Winder, 18.3.2016)

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