Europa hat seinen ersten Roboter-Rezeptionisten

22. März 2016, 05:30
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Der erste Roboter-Rezeptionist in Europa bekommt gerade viel Aufmerksamkeit. Aber auch nur, wenn er tanzt. An den breiten Einsatz glaubt kaum jemand

In ihrem blauen Hostessenkostum steht sie am Infoschalter auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin (ITB) und begrüßt die Messebesucher. Nichts Außergewöhnliches, möchte man meinen. Doch Chihira Kanae tut nur so, als sei sie ein Mensch. Chihira ist ein Roboter in Puppenform, ausgeliehen für die 50. ITB von einem Kaufhaus in Tokio – vor einer Woche war sie in Berlin zu bewundern.

foto: jochen müssig
Hotel-Roboter Mario ist 57 Zentimeter groß, sechs Kilogramm leicht, Kaufpreis 15.000 Euro.

Mario ist da ganz anders. Mario tut erst gar nicht so, als sei er ein Mensch. Das Kerlchen ist klar als Roboter zu identifizieren: 57 Zentimeter groß, sechs Kilogramm leicht, Kaufpreis 15.000 Euro. Das Besondere an ihm: Mario ist der erste Roboter, der in einem europäischen Hotel arbeitet. Der Erste weltweit kam ebenfalls in Japan zum Einsatz: eine Schwester von Chihira in humanoider Puppenform. Eine andere Schwester heißt Roxxxy: Sie kann verschiedene Gesichtsausdrücke zeigen, sie kann auch auf müde machen, doch meistens geht sie unermüdlich ihrer Arbeit nach. So ist sie programmiert. Schließlich arbeitet Roxxxy als Sexpuppe.

foto: ap / paul sakuma
Douglas Hines, Gründer von True Companion, präsentiert seinen Sexroboter Roxxxy.

Mario sind solche Dinge fremd. Mario – doppelt so teuer in der Anschaffung wie Roxxxy – hat andere Vorzüge: Statt zwei Augen hat er zwei Kameras und ein Gesichtserkennungsprogramm, außerdem "kann er 19 Sprachen sprechen und Gästen ein Taxi bestellen. Mario arbeitet bei uns am Frontdesk in der Lobby", sagt Roger Langhout, General Manager des Gent Marriott Hotel in Belgien.

Singen und Tanzen für Gäste

"Wir ersetzen mit Mario keine Arbeitsplätze. Wir schaffen welche. Denn alleine wegen dieses 57-Zentimeter-Roboters kommen mehr Leute zu uns. Sie wollen Mario kennenlernen und buchen deshalb ein Zimmer bei uns." Mario muss neben der Ausgabe der Schlüsselkarten für die Zimmertür immer wieder singen und tanzen. Auf die Anweisung "Tanz, Mario! Tanz!" legt der Roboter sofort los, mit einstudierten Bewegungsabläufen, die Lambada oder Gangnam Style simulieren sollen.

Roboter in Quarantäne

"Mario ist nicht als reiner Hotelroboter programmiert worden", sagt sein Erfinder Fabrice Goffin von Zorarobot: "Er hilft in Krankenhäusern etwa in Quarantänestationen, um Patienten Medikamente zu verabreichen. Privatpersonen leasen ihn gerne". 250 Euro pro Monat beträgt die Rate.

Laut einer Umfrage in neun Ländern unter mehr als 6000 Personen, hätten die meisten Menschen keine Bedenken, im Urlaub mit Robotern konfrontiert zu werden. Die Akzeptanz ist aber je nach Land unterschiedlich. Während sich deutsche Reisende eher skeptisch zeigen, ist die Begeisterung für die technische Unterstützung in Beherbergungsbetrieben etwa in China sehr hoch.

Automatische Müllmänner

In China und Japan verrichten in einigen Restaurants und Hotels Roboter schon seit Jahren Dienste. Im Henn-na Hotel bei Nagasaki etwa sind bereits alle Rezeptionistinnen Roboter. Das Hotel ist allerdings einem Freizeitpark angegliedert, der wohl ebenso verspielte Kundschaft anlockt.

Roboter Alo schaut ein wenig so aus wie R2-D2 aus "Star Wars" und bringt in Hotels Zahnbürsten oder Einwegrasierer.

Auch in den USA sind einige Hotelmitarbeiter Roboter. Dort entsorgen sie vorwiegend den Müll oder – wie im Hotel Aloft im Silicon Valley – bringen dem Gast die Zahnbürste oder den Einwegrasierer aufs Zimmer, wenn er diese vergessen hat. Dieser freundliche Mitarbeiter heißt Alo und schaut ein wenig so aus wie R2-D2 aus "Star Wars". Im Laufe dieses Jahres soll er auch ein Gastspiel in Europa – im Münchner Hotel Aloft – geben.

Nur ein Marketing-Gag

Der jüngste Mitarbeiter im Gent Marriott ist dennoch kein Vorbote für den Masseneinsatz von Robotern in Hotels. Sogar Hotelchef Langhout meint: "Mario ist für uns zu hundert Prozent ein Marketing-Gag." Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, dass es irgendwann ausschließlich Roboter in Hotels arbeiten werden, sagt er entschieden: "Ganz sicher nicht!" Das persönliche Gespräch sei nun einmal unersetzlich in der Hotellerie. (Jochen Müssig, 21.3.2016)

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