CDU-Politiker Lothar Späth gestorben

18. März 2016, 14:14
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Der langjährige CDU-Politiker war als Ministerpräsident von Baden-Württemberg und Unternehmenschef erfolgreich

Sein Spitzname war "Cleverle", sein Markenzeichen der schwäbische Akzent. 13 Jahre lang regierte Lothar Späth Baden-Württemberg als Ministerpräsident. Der CDU-Politiker war auch immer wieder ein Gegenspieler von Helmut Kohl und einer der wenigen, die dem allmächtigen Kanzler und Parteivorsitzenden zu widersprechen wagten.

Im September 1989 plante er gemeinsam mit anderen Widersachern – Heiner Geißler, Norbert Blüm und Rita Süssmuth – einen Putsch gegen Kohl, der allerdings scheiterte. Gegen Kohl angetreten ist Späth aber nie. "Er hätte sich auf den Weg des Kanzleranwärters begeben können, besaß aber diesen Rebellenmut nicht", so Marlis Prinzing in der Späth-Biografie "Wandlungen eines Rastlosen".

Von 1978 bis 1991 war Späth Ministerpräsident von Baden-Württemberg und trieb in dieser Zeit mit Klugheit, Zähigkeit und der ihm eigenen Technologiebegeisterung den wirtschaftlichen Erfolg seines Heimatbundeslandes voran. Von einem USA-Besuch kehrte er mit dem damals schnellsten Rechner der Welt zurück.

Rücktritt wegen "Traumschiff-Affäre"

Die allzu enge Kooperation mit Industrievertretern wurde ihm aber zum Verhängnis. 1991 musste Späth zurücktreten, nachdem bekannt geworden war, dass er sich von Unternehmen zu teuren Reisen hatte einladen lassen.

Nach seinem politischen Aus wegen der "Traumschiff-Affäre" startete er zu seiner zweiten Karriere durch: Er ging in den Osten, übernahm als Geschäftsführer die Jenoptik. Späth machte aus dem Unternehmen einen modernen Technologiekonzern, den er 1998 an die Börse brachte. Mit Stolz präsentierte er allen Besuchern sein Unternehmen in Jena, wo er bei den Bürgern hohes Ansehen genoss.

2003 zog er sich von der Jenoptik-Spitze zurück, im Mai 2005 wurde er Vorsitzender der Geschäftsführung der Investmentbank Merrill Lynch für Deutschland und Österreich. Nach seinem Rückzug von der Unternehmensspitze war er noch in diversen Aufsichtsräten und als Moderator der wöchentlichen Talkrunde "Späth am Abend" bei dem Nachrichtensender n-tv tätig.

Lob für Grünen Kretschmann

In den vergangenen Jahren wurde es immer ruhiger um ihn. 2014 sorgte in der Öffentlichkeit die Meldung für Erstaunen, dass sich Lothar Späth und seine Frau Ursula getrennt haben. Die beiden haben einen Sohn und eine Tochter. Mit seinem Lob für den nunmehr wiedergewählten grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann sorgte er wiederum für Verärgerung bei einigen Parteikollegen.

Erst vor kurzem wurde bekannt, dass Späth in einem Pflegeheim in der Nähe von Stuttgart lebt und an Demenz leidet. Seinen Tod gab die baden-württembergische Staatskanzlei am Freitag bekannt. (Alexandra Föderl-Schmid, 18.3.2016)

  • Lothar Späth, von 1978 bis 1991 Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ist gestorben.
    foto: reuters/tobias schwarz

    Lothar Späth, von 1978 bis 1991 Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ist gestorben.

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