Berufsausbildung hat wenig Prestige

18. März 2016, 13:55
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Umfrage: Uni- und Fachhochschul-Abschluss zählen bei Österreichern am meisten

Die Abschlüsse einer Universität und einer Fachhochschule werden von den Österreichern bei einem Vergleich der unterschiedlichen Ausbildungszweige am positivsten eingeschätzt. Ebenfalls hohe Werte erzielte eine Meisterprüfung. Die Durchlässigkeit des Bildungssystems wurde von den Befragten als ausbaufähig eingestuft.

Für seine Studie im Auftrag des Wirtschaftsförderungsinstituts (Wifi) der Wirtschaftskammer befragte IMAS 1016 Österreich im Alter von über 16 Jahren im Dezember und Jänner mittels Face-to-Face-Interviews. Unter anderem mussten Ausbildungszweige im Hinblick auf die Berufsaussichten, Berufsvorbereitung, Qualität, Ansehen, Schwierigkeit und künftige Bedeutung bewertet werden.

Die Unis punkteten vor allem hinsichtlich Berufsaussichten, Qualität, sozialem Ansehen und künftiger Bedeutung und erhielten hinsichtlich der Schwierigkeit einen gewissen "Exklusivitätsstatus", so IMAS-Forscher Paul Eiselsberg. Ähnliche, nur etwas geringere Werte erzielten die Fachhochschulen. Die Meisterprüfung wiederum wies zwar hinsichtlich Ansehen und Schwierigkeit deutlich geringere Werte auf, schnitt aber in Bezug auf die Berufsvorbereitung und die Notwendigkeit von späterer Weiterbildung besser ab.

Die geringsten Berufsaussichten billigten die Österreicher AHS-Maturanten, Absolventen einer Fachakademie ohne akademischen Titel oder einer berufsbildenden mittleren Schule (BMS) zu. Im Vergleich zur Meisterprüfung ebenfalls wesentlich schlechtere Werte (mit Ausnahme der Berufsvorbereitung) wies ein Lehrabschluss auf.

Weiterentwicklung kostet

Luft nach oben sehen die Österreicher laut Eiselsberg bei der Durchlässigkeit des Bildungssystems. Zwar waren 49 Prozent der Ansicht, dass man sich im österreichischen Bildungssystems sehr leicht oder eher leicht weiterentwickeln kann – nur acht Prozent griffen allerdings zum "sehr leicht". Immerhin 16 Prozent äußerten dagegen Zweifel an der Durchlässigkeit – sehr hoch war mit 35 Prozent auch die Anzahl jener, die keine Angaben machten. Als wichtigste hemmende Faktoren nannten die Befragten finanzielle Aspekte, die schwierige Vereinbarung von Beruf und Ausbildung sowie das starre System.

Gleichstellung zwecks Aufwertung

Die Wirtschaftskammer ortet aufgrund des oft geringen Prestiges einer Berufsausbildung die Gefahr eines Fachkräftemangels. Hoffnungen setzte deren Leiter der bildungspolitischen Abteilung, Michael Landertshammer, in den jüngst beschlossenen Nationalen Qualifikationsrahmen. Damit solle klar gestellt werden, dass ein Meisterabschluss auf gleichem Niveau wie ein Bachelor angesiedelt sei. "Das Wissen ist zwar ein anderes, aber genauso viel wert." Umgekehrt solle ein AHS-Maturant, der kein Studium beginnt bzw. eines abbricht, auch die Möglichkeit haben, zu einem beruflichen Abschluss zu kommen.

Ebenfalls abgefragt wurde die Zufriedenheit mit dem Bildungswesen: 57 Prozent zeigten sich sehr oder einigermaßen zufrieden, 27 Prozent eher nicht oder überhaupt nicht (Rest keine Angaben). Bei der Frage nach der derzeitigen Entwicklung des Bildungssystems orteten 21 Prozent eine "richtige Richtung", für 30 Prozent war dies nicht der Fall (Rest unentschieden). Die Optimisten führten das breite Angebot sowie das generelle Funktionieren des Systems ins Treffen, die Pessimisten verwiesen auf den hohen Ausländeranteil und das sinkende Niveau an den Schulen bzw. die schlechter werdende Ausbildung der Lehrer. (red, APA, 17.3.2016)

  • Weil eine Berufsausbildung wenig Status und Prestige zugeschrieben wird warnt die Wirtschaftskammer vor Fachkräftemangel. Der "Nationale Qualifikationsrahmen" soll helfen.
    foto: apa

    Weil eine Berufsausbildung wenig Status und Prestige zugeschrieben wird warnt die Wirtschaftskammer vor Fachkräftemangel. Der "Nationale Qualifikationsrahmen" soll helfen.

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