User-Wertung: Wie hat Ihnen "Room" gefallen?

Umfrage4. April 2016, 07:00
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Die Geschichte einer Mutter und ihres Sohnes, die sich nach jahrelanger Gefangenschaft in der Freiheit neu zurechtfinden müssen, bewegt die Gemüter. Für die weibliche Hauptrolle gab es sogar den Oscar. Wie aber hat Ihnen der Film gefallen?

Der kleine Jack hat noch nie einen anderen Raum gesehen als den, in dem er mit seiner Mutter seit seiner Geburt eingeschlossen ist. Dieser Raum bedeutet seine Welt, eine andere kennt er nicht, bis seiner Mutter und ihm die Flucht vor ihrem Peiniger gelingt. Angekommen in der Freiheit wird schnell klar, dass die Rückkehr in eine Normalität nicht bruchlos und schmerzfrei vonstattengehen kann. Für die Mutter, die sich dem Schmerz über ihre sieben verlorenen Lebensjahre stellen muss, genauso wie für den Sohn, der sich in einer ihm gänzlich fremden Realität zurechtfinden muss.

Lenny Abrahamson verfilmte den gleichnamigen Roman von Emma Donoghue, die auch das Drehbuch verfasste. "Room" war für den Oscar als bester Film nominiert, die Hauptdarstellerin Brie Larson gewann den Academy Award für ihre Darstellung der "Ma". Und nicht nur die STANDARD-Kritik zeigte sich beeindruckt von der schauspielerischen Leistung des jungen Jacob Tremblay.

Was sagen die Kritiker?

Dem Film wird im STANDARD wohlwollend begegnet: "Room" sei keine distanzierte Analyse des Geschehens, sondern streiche die Emotionalität hervor. Es dominiere eine "alles Böse überstrahlende Innigkeit, die auch durch gelegentliche Verzweiflungs- und Wutanfälle nicht erschüttert werden kann". Kraft und Dringlichkeit verdanke der Film den schauspielerischen Leistungen der Protagonisten, wobei der dramatische Einsatz der Filmmusik manchmal zu viel des Guten sei.

Die "New York Times" betont die erste Hälfte des Films, der es vermöge, die literarische Vorlage und damit die Perspektive des Buben in eine adäquate filmische Form zu überführen. Die zweite Hälfte allerdings laufe Gefahr, die Geschichte in einen "banalen und tristen Therapiefilm" abdriften zu lassen.

Härter noch blickt die Kritik in der "Süddeutschen Zeitung" auf das Werk: Auch wenn das Spiel der Protagonisten gewürdigt wird, ruft die Inszenierung des Mutterbildes Skepsis hervor. Es sei mitunter geradezu ein Hohelied auf ein heroisches Mutterbild. Die implizite Botschaft an alle Mütter, so heißt es, "die in etwas angenehmeren Umständen als Jack und Joy leben und etwas mehr Ressourcen haben (also nahezu jede Mutter dieses Planeten), lässt sich kaum ignorieren: Stellt euch mal nicht so an, mit genügend Liebe geht es doch – sogar mitten in der Hölle!" Auch die Erzählhaltung wird in der Rezension zweischneidig gesehen: Obwohl "dem kindlich-märchenhaften Blick" etwas Zauberhaftes anhafte, verhindere er, dass "Room" zu einem "radikal unangenehmen Film" werde. So bleibt auch das Fazit zwiegespalten: "Room" funktioniere auf der unmittelbaren Ebene "des Eintauchens in das Unvorstellbare, in den Alltag des Horrors und Hoffens" sehr gut. Gleichzeitig werde aber deutlich, wie nahe das Kino dem Unvorstellbarem kommen könne "und wie fern es ihm schließlich doch bleiben muss".

Was sagen Sie?

Wie hat Ihnen "Room" gefallen? Können Sie mit einzelnen Aspekten der Kritik etwas anfangen, oder haben Sie eine gänzlich andere Meinung zu dem Gesehenen? (jmy, 4.4.2016)

  • Die Rolle der Mutter hat Brie Larson den Oscar beschert. Können Sie diese Entscheidung nachvollziehen?
    foto: upi

    Die Rolle der Mutter hat Brie Larson den Oscar beschert. Können Sie diese Entscheidung nachvollziehen?

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