Shitstorm gegen Zuckerberg für Jogging-Foto am Tian'anmen

18. März 2016, 11:46
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Kritiker werfen dem Facebook-Gründer fehlende historische Sensibilität vor

Dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg in allen Städten, die er besucht, Joggen geht, hat mittlerweile Tradition: So lief er in Berlin vor dem Brandenburger Tor und in Barcelona um die Sagrada Familia. Jetzt ist Zuckerberg durch die chinesische Hauptstadt Peking gejoggt und hat dabei auch den Tian'anmen-Platz überquert. Das Foto hat nun aus mehreren Gründen wütende Reaktionen ausgelöst. Einige Nutzer beschweren sich, dass Zuckerberg – der sich weltweit marketingwirksam für Demokratie und Meinungsfreiheit ausspricht – mit dem Lauf über den "Platz des Himmlischen Friedens" chinesische Dissidenten herabsetzt.

It's great to be back in Beijing! I kicked off my visit with a run through Tiananmen Square, past the Forbidden City and...

Posted by Mark Zuckerberg on Thursday, March 17, 2016

"Boden mit Blut getränkt"

Denn auf dem Tian'anmen war es 1989 zu Massenprotesten gegen die chinesische Regierung gekommen. Laut Rotem Kreuz sollen bei der blutigen Niederschlagung der Demonstrationen bis zu 2.700 Menschen ermordet worden sein. "Der Boden, über den du läufst, ist mit dem Blut chinesischer Studenten getränkt, die für Demokratie gekämpft haben. Aber ich wünsche dir einen guten Lauf in China, Mark", schreibt ein Nutzer zynisch. Bald fanden sich auch auf Twitter zahlreiche Memes zu Zuckerberg.

Warnung vor Luftqualität

Der zweite Grund für Proteste gegen Zuckerberg ist dessen Ignoranz der mangelnden Luftqualität in China. Vor Zuckerbergs Lauf soll die US-Botschaft in Peking laut New York Times eine Warnung vor dem Smog in der chinesischen Hauptstadt herausgegeben haben. Es sei ein Level der Verschmutzung erreicht, der unter US-amerikanischen Maßstäben als "gefährlich" (hazardous) gelte. Während Chinesen in Atemmasken unterwegs waren, "genoss" Zuckerberg einen Lauf ohne Schutzmaßnahmen.

Zu guter Letzt wunderten sich Nutzer auch, wie Zuckerberg sein Foto überhaupt veröffentlichen konnte – denn offiziell ist Facebook in China verboten. Die Avancen des IT-Milliardärs sind auch damit zu begründen. Mit einer Öffnung für den chinesischen Markt wären weitere zig Millionen Nutzer möglich. Doch wie das Foto eines morgendlichen Laufs schon zeigt: Das Terrain ist mit vielen Hürden gepflastert. (red, 18.3.2016)

  • Marc Zuckerberg joggte über den geschichtsträchtigen Tian'anmen-Platz. Dies gefiel einigen Facebook-Nutzern nicht.
    foto: marc zuckerberg

    Marc Zuckerberg joggte über den geschichtsträchtigen Tian'anmen-Platz. Dies gefiel einigen Facebook-Nutzern nicht.

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