"Der Adolf in mir": Serdar und die Hasskappe

23. März 2016, 10:57
1 Posting

Der Schriftsteller und Kabarettist Serdan Somuncur kennt weder gesellschaftliche noch eigene Tabus

Jede Minderheit hat das Recht auf Diskriminierung! Serdan Somuncur, 1968 geboren und im Rheinland aufgewachsen, kennt eines nicht: Tabus. Weder gesellschaftliche noch eigene. Deshalb ist seine Art des Kabaretts eine besondere. Eine harte. Eine intensiv subjektive. Und eine radikal separierende.

In Der Adolf in mir erzählt er von sich, seinem familiären Hintergrund, dem Abbruch des Musikstudiums, Anfängen und Obdachlosigkeit, von seinen Erfahrungen als aus Hitlers Mein Kampf Lesender, als das noch Aufsehen erregend war, nämlich in den 1990ern, von den Nachfolgeprogrammen, der Sportpalastrede (2001- 2003) und Hitler Kebab (2003-2005).

Höchst aufschlussreich ist dann der Mittelteil über seine Erfahrungen mit Comedy Clubs, Kabaretts und TV-Sendern, die teils plump, teils geschmeidig Zensur ausüben. Aufschlussreich berichtet er über sein Impro-Kaba-rett über Bild- respektive Kronen Zeitung und sich als "Hassprediger". Die Schlusskapitel zu Sarrazin, AfD, Islamismus und NSU fallen intellektuell befremdlich vorhersehbar aus. (Alexander Kluy, Album, 19.3.2016)

Serdar Somuncu, "Der Adolf in mir. Die Karriere einer verbotenen Idee". € 13,40 / 214 min. WortArt, Essen 2016

  • Artikelbild
    foto: wortart
Share if you care.