"Neuntöter": Bizarre Mumien

    22. März 2016, 11:30
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    Der neue Thiller des unter dem Pseudonym Ule Hansen schreibenden Autorenduos handelt von einer Fallanalystin, die versucht, die Botschaften eines abartigen Mörders zu verstehen

    Abgeschiedene Orte in großen Städten: Ruinen, stillgelegte Industriehallen, Spielplatz von seltsamen Enthusiasten, die sich "Urbexer" (Urban Explorer) nennen und in verlassenen Gebäuden gruselige Videos drehen, können auch Verstecke für Leichen werden.

    Das Autorenduo Ule Hansen hat ein Händchen für seltsame Szenarien. Die Fallanalystin Emma Carow versucht, die Botschaften eines abartigen Mörders zu verstehen. Er hat seine Opfer wie Mumien eingewickelt, an unzugänglichen Orten mitten in Berlin aufgehängt und dort sterben lassen. Nun überbieten sich diese Krimis, in denen ein Verbrecher seine Zeichen hinterlässt, an Bizarrerien.

    Interessanter als diese Spirale der Absonderlichkeiten ist jedoch der offene Sexismus, der Emma von den Kollegen entgegenschlägt und ihre psychische Verfasstheit. Sie ist selbst Opfer einer Vergewaltigung geworden; der Täter tourt nun mit seinem Häfen-Buch über seine "Läuterung" durch die Medien. Emma sinnt auf Rache, wie diese aussehen wird, bleibt bis zuletzt offen. Ein originelles Setting mit packenden Nebenhandlungen. (Ingeborg Sperl, Album, 19.3.2016)

    Ule Hansen, "Neuntöter". € 17,50 / 494 Seiten. Heyne, München 2016

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    Krimiblog

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      foto: heyne
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