Altersforscher Leopold Rosenmayr 91-jährig gestorben

18. März 2016, 10:44
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Er trug wesentlich zur Wiederbelebung der empirischen Sozialforschung in Österreich bei – Soziologe wurde durch seine einflussreichen Arbeiten über das Altern bekannt

Wien – Im Pensionsalter legte Leopold Rosenmayr dann noch einmal so richtig los. Was auch nicht weiter verwunderte, denn der Soziologe war in ein Alter gekommen, über das er bereits viele Jahre zuvor zu forschen begonnen hatte. Durch Bücher wie "Die Kräfte des Alters" (1990), "Altern im Lebenslauf" (1996) oder "Im Alter – noch einmal – leben" (2011) wurde Rosenmayr in späten Jahren zum "Alternsforscher der Nation".

Die Kindheit und Jugendzeit des 1925 in Wien-Favoriten geborenen Rosenmayr war geprägt von den ideologischen und politischen Spannungen der 1930er-Jahre und vom Nationalsozialismus. Auch aufgrund seiner Kriegserfahrungen – der 18-Jährige war Übersetzer in der Wehrmacht und dann ein Jahr lang Kriegsgefangener – studierte er an der Universität Wien Philosophie und Soziologie. Außerdem wurde er mit Hans Tuppy und Friedrich Heer zum Mitbegründer der katholischen Hochschuljugend.

Nach der Promotion 1949 ging er für jeweils zwei Jahre nach Paris und in die USA und brachte Methoden der empirischen Sozialforschung, deren Gründer wie Paul Lazarsfeld oder Marie Jahoda früh vertrieben worden waren, wieder zurück nach Wien. Als Soziologe arbeitete er erstmals in Österreich mit Mikrozensus, also statistischen Erhebungen zur Bevölkerung, und gründete 1954 die Sozialwissenschaftliche Forschungsstelle an der Universität Wien.

1955 wurde Rosenmayr außerordentlicher, 1961 ordentlicher Professor für Soziologie und Sozialphilosophie an der Universität Wien. Als Mitbegründer und Leiter machte er das Ludwig-Boltzmann-Institut für Sozialgerontologie und Lebenslaufforschung in Wien zu einer international beachteten Institution für Fragen der Altersforschung.

Nicht nur seine Arbeiten über das Altern, die Jugend und Generationenkonflikte waren vom eigenen Erleben mitgeprägt: Rosenmayr war auch ein großer Reisender, verbrachte viel Zeit im westafrikanischen Staat Mali und verfasste auch darüber Studien. Der vielfach ausgezeichnete Soziologe und Altersforscher, der immer wieder auch an gesellschaftspolitischen Entscheidungen mitwirkte, verstarb am Freitag im 91. Lebensjahr in Wien. (tasch, 19.3.2016)

  • Der Soziologe Leopold Rosenmayr prägte ab den 1950er-Jahren die Geschichte seines Fachs in Österreich. Als "Alternsforscher der Nation" war er auch noch in seinen letzten Lebensjahren hochaktiv.
    foto: apa/hochmuth

    Der Soziologe Leopold Rosenmayr prägte ab den 1950er-Jahren die Geschichte seines Fachs in Österreich. Als "Alternsforscher der Nation" war er auch noch in seinen letzten Lebensjahren hochaktiv.

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