Digitalisierung bleibt für heimische Unternehmen eine Herausforderung

18. März 2016, 11:17
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Laut einer aktuellen Studie reagieren Unternehmen zu langsam auf die Digitalisierung – und gehen zu selten auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter ein

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt nicht erst seit gestern – und doch sind heimische Unternehmen großteils überfordert und unvorbereitet – das ist zumindest eines der zentralen Ergebnisse des von Deloitte herausgegebenen "Global Human Capital Trends 2016". Mehr als 7.000 Führungspersonen aus 130 Ländern wurden dafür befragt, unter den Teilnehmern waren 123 Führungspersonen österreichischer Unternehmen.

Unflexible Systeme

Besonders bei HR sehen die Berater großen Nachholbedarf. "Im HR-Bereich dominieren starre, unflexible und wenig benutzerfreundliche Systeme. Der Trend geht aber eindeutig in Richtung mobiler, cloudbasierter Lösungen und Apps. Viele Unternehmen stellen hier gerade die richtigen Weichen", sagt Julian Mauhart, Partner bei Deloitte Österreich. Die Hauptaufgaben: Einerseits solle HR Führungskräfte und Mitarbeiter auf die zunehmende Digitalisierung vorbereiten. Andererseits müssten die HR-Abteilungen ihre eigenen Prozesse und Abläufe viel stärker als bisher digitalisieren.

An die Millenials denken

In der Studie wurden freilich noch andere Themen behandelt: Aus den 56 Prozent, die angeben den Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs nicht decken zu können, wird in der Studie die Notwendigkeit für neue Formen von Führung und innovative Führungskräfte abgeleitet. Die Zielgruppe der Millennials werde von der Führungskräfteentwicklung stark vernachlässigt. 22 Prozent der internationalen Führungskräfte geben an, überhaupt keine Leadership-Programme für Millennials anzubieten. Auch in Österreich seien die Zahlen "alarmierend": Keiner der Befragten fühlt sich für diese Zielgruppe sehr gut vorbereitet.

Seltener Kontakt mit Mitarbeitern

Wenn es darum geht "Top-Talente" für das eigene Unternehmen zu gewinnen oder zu halten, steht die Unternehmenskultur ganz hoch im Kurs. Die Bedürfnisse und Erwartungen der immer diverseren und mobileren Belegschaft würden aber bisher zu wenig berücksichtigt werden. Laut Studie wird nur von 64 Prozent der Unternehmen eine jährliche Mitarbeiterbefragung durchgeführt. "Die meisten Unternehmen müssen öfter und regelmäßiger in Kontakt mit ihren Mitarbeitern treten. Impulsbefragungen, soziale Netzwerke und regelmäßiges Feedback sind dafür nützliche Instrumente", sagt Maulhart.

Umbrüche machen sich bemerkbar

Dass sich die Arbeitswelt, vor allem durch die mit der Digitalisierung verbundenen Veränderungen, stark gewandelt hat sieht man an den 39 Prozent der Befragten, die sich aktuell in einer Restrukturierung befinden, bzw. eine solche planen (sechs Prozent). Maulhart fasst zusammen: "Die Unternehmen sind gefordert Schritt zu halten. Sie sollen ihre Organisationsstruktur verändern, Leadership-Modelle anpassen und neue Wege in der Mitarbeiterbindung gehen. Das muss mit Mut angegangen werden." (lhag, 18.3.2016)

  • Besonders in der HR würden noch unflexible Systeme dominieren, heißt es in der Studie.  Dabei müsste diese Abteilung Führungskräfte und Mitarbeiter eigentlich auf die zunehmende Digitalisierung vorbereiten.
    foto: istock

    Besonders in der HR würden noch unflexible Systeme dominieren, heißt es in der Studie. Dabei müsste diese Abteilung Führungskräfte und Mitarbeiter eigentlich auf die zunehmende Digitalisierung vorbereiten.

  • Ein weiteres wichtiges Ergebnis: 22 Prozent der internationalen Führungskräfte geben an, überhaupt keine Leadership-Programme für Millennials anzubieten. Auch in Österreich seien die Zahlen "alarmierend": Keiner der Befragten fühlt sich für diese Zielgruppe sehr gut vorbereitet.
    foto: urban

    Ein weiteres wichtiges Ergebnis: 22 Prozent der internationalen Führungskräfte geben an, überhaupt keine Leadership-Programme für Millennials anzubieten. Auch in Österreich seien die Zahlen "alarmierend": Keiner der Befragten fühlt sich für diese Zielgruppe sehr gut vorbereitet.

  • Die Beziehung zwischen Führungsebene und Mitarbeitern leide in vielen Unternehmen, in 64 Prozent der Unternehmen gibt es ein jährliches Mitarbeitergespräch. Laut Julian Mauhart, Partner bei Deloitte Österreich, ist das zu wenig.
    grafik: istock

    Die Beziehung zwischen Führungsebene und Mitarbeitern leide in vielen Unternehmen, in 64 Prozent der Unternehmen gibt es ein jährliches Mitarbeitergespräch. Laut Julian Mauhart, Partner bei Deloitte Österreich, ist das zu wenig.

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