iPhone-Entschlüsselung: Apple-Mitarbeiter drohen mit Kündigung

18. März 2016, 11:18
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Im Konflikt mit FBI – Wollen sich nicht zur Schwächung der eigenen Software zwingen lassen

Die Auseinandersetzung zwischen Apple und dem FBI um ein verschlüsseltes iPhone ist um einen Aspekt reicher. Zahlreiche Apple-Entwickler wollen einer Beihilfe zur Schwächung der iPhone-Sicherheit aus prinzipiellen Gründen keine Folge leisten, berichtet die "New York Times" am Donnerstag.

Widerstand

Während manche Angestellte des iPhone-Herstellers "nur" die konkrete Aufgabe ablehnen wollen, seien andere sogar zu einer Kündigung bereit. Die Zeitung beruft sich für ihren Bericht auf Interviews mit mehreren aktuellen und früheren Apple-Mitarbeitern. Apple habe eine "unabhängige und rebellische Kultur", zeigt sich der ehemalige Apple-Manager Jean-Louis Gassée von der Haltung der Entwickler wenig überrascht. "Wenn die Regierung diese Entwickler zu etwas zwingen will – viel Glück damit."

Freie Rede

Das Unternehmen hatte in den vergangenen Wochen immer wieder betont, dass es in dem Fall auch um das Recht auf freie Rede gehe. Die Entwickler dazu zu zwingen, Änderungen am iPhone-Code vorzunehmen, wäre ein Verstoß gegen ebendieses in den USA besonders hochgehaltene Prinzip. Ob man mit der Argumentation, dass Code eine Form von Rede ist, durchkommt, ist allerdings längst nicht gesichert, Experten sind sich in dieser Frage bisher uneins.

NSA-Whistleblower Edward Snowden unterstützt die Position der Apple-Mitarbeiter.

Anlassfall

Das FBI fordert von Apple die Entwicklung eines speziellen iPhone-Updates, um diverse Sicherheitsmaßnahmen der Software zu deaktivieren. Das soll das Knacken der Verschlüsselung erleichtern. Im konkreten Fall geht es um das Gerät eines der Attentäter des Terroranschlags von San Bernardino, bei dem 14 Menschen ermordet wurden.

Position beziehen

Während die US-Behörden von einer einmaligen Ausnahme sprechen, befürchtet Apple einen gefährlichen Präzedenzfall. Könne ein Unternehmen dazu gezwungen werden, Software für Behörden zu entwickeln, würde das den Weg für Hintertüren und staatliche Spionagesoftware in Smartphones freimachen. Unterstützt wird Apple praktisch von der gesamten IT-Branche, von Google bis Microsoft haben sich die meisten großen Unternehmen mittlerweile klar hinter den iPhone-Hersteller gestellt. (red, 18.3.2016)

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    foto: apa/afp/paul j. richards
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