US-Außenminister Kerry wirft IS-Terroristen Völkermord vor

17. März 2016, 18:44
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Internationale Untersuchung könnte möglicherweise in Tribunal enden

Washington – US-Außenminister John Kerry hat das Vorgehen der Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und Syrien als Völkermord an religiösen Minderheiten angeprangert. "Nach meiner Beurteilung ist das, was Daesh Christen, Yeziden und Schiiten antut, Völkermord", sagte Kerry am Donnerstag in Washington vor Journalisten.

Daesh ist eine der gängigen Bezeichnungen für die sunnitische IS-Miliz, die mit Tausenden Kämpfern weite Landstriche in Syrien und im Irak beherrscht. Völkermord ist das schlimmste Verbrechen im internationalen Recht.

Die Terroristen vergewaltigten Frauen, enthaupteten Geistliche und gingen mit unmenschlicher Gewalt gegen "Ungläubige" vor, sagte Kerry. Die Einschätzung sei durch eine Untersuchung der USA unterlegt. Kerry fügte jedoch hinzu: "Ich bin kein Richter". Die volle Faktenlage müsse durch eine unabhängige Untersuchung ans Licht gebracht werden.

Der IS begehe Völkermord durch Worte, Taten und seine Sichtweise. "Wir wissen zum Beispiel, dass der IS im August 2014 Hunderte jesidische Männer und ältere Frauen in der Stadt Kocho getötet und Zehntausende zur Flucht auf den Berg Sindschar gezwungen hat."

"Es ist völlig klar, dass diese Menschen getötet worden wären, wenn wir nicht interveniert hätten", sagte er. Er prangerte zudem Schändungen von Kulturgütern an sowie Hinrichtungen von Christen und muslimischen Schiiten wegen ihres Glaubens. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte dies zuvor bereits als "Vertreibung historischen Ausmaßes" bezeichnet.

"Ein Element des Völkermordes ist die Absicht, eine ethnische oder religiöse Gruppierung als Ganzes oder in Teilen zu zerstören", sagte der US-Außenminister. "Fakt ist, dass der IS Christen tötet, weil sie Christen sind, Yeziden, weil sie Yeziden sind und Schiiten, weil sie Schiiten sind." Es gebe keinen Zweifel daran, dass der IS in einem von ihm beabsichtigen Kalifat das ethnische Mosaik zerstören würde, das einst die Region geprägt habe.

Kerry sprach sich für eine unabhängige, internationale Untersuchung aus, die möglicherweise in einem Völkermord-Tribunal enden könne. "Die ganze Wahrheit muss in einer unabhängigen Untersuchung und in einem juristischen Verfahren ans Licht gebracht werden, das von einem geeigneten Gericht oder Tribunal abgeschlossen wird", sagte Kerry. (APA, 17.3.2016)

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