Spanien bringt Rundfunk auf Linie

18. März 2016, 07:21
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Der ehemalige Sprecher der rechtskonservativen Volkspartei in Katalonien wird Chef des spanischen Rundfunks. Eine seiner ersten Handlungen war die Entlassung einer kritischen Journalistin. Für die Opposition ist das "der Gipfel der Kolonialisierung"

Granada – Eiskalter Wind bläst Eladio Jareño entgegen. Der Informationsrat, Gremium der Mitarbeiter des staatlichen Fernsehens Televisión Española (TVE), erachtet ihn als Direktor untragbar. War er doch lange Sprecher von Alicia Sánchez Camacho, der ehemaligen Chefin des rechtskonservativen Partido Popular (PP) in Katalonien.

"Ein Mann für Gesetz und Ordnung", nennt El País Jareño . Er sei "manchmal mehr Polizist als Journalist", urteilen Kollegen über den "parteiischen Manipulator und Zensor". Schon zum Einstand hagelte es Kritik: Über brisante SMS des Königspaares an einen Angeklagten in einem Korruptionsverfahren wurde nicht berichtet.

Der Kommunikationswissenschafter Jareño begann seine Karriere während der Olympischen Spiele in Barcelona 1992 als Sprecher der Sicherheitsdirektion der Regionalregierung. Fortan diente er weiteren Regierungsbehörden als leitender Kommunikator. Zwischen 2002 und 2008 werkte er bereits einmal für die TVE-Redaktion in Katalonien. Erfolgreich führte er dort etwa das Kinderprogramm. Als 2008 massenhaft Angestellte gekündigt wurden, nahm ihn die PP-Politikerin Camacho auf Empfehlung eines befreundeten katalanischen Verlegers unter Vertrag.

Mehrfache Interventionen

Jareño, der seit Ende 2014 wieder am Ruder der TVE in Katalonien war, entließ nur 48 Stunden nach seiner Rückkehr die Journalistin Cristina Puig, die das Diskussionsformat El Debat leitete. Sie war nicht auf Linie. Er intervenierte mehrfach in der Berichterstattung.

Den Abgang seines Vorgängers, José Ramón Díez, der seit 1984 bei der Sendeanstalt tätig war, begleiten massive Ungereimtheiten bei Abrechnungen von Produktionen sowie Diäten- und Prämienzahlungen an die Chefetage.

Stets stark für Regierungsinteressen instrumentalisiert sei die Radiotelevisión Española (RTVE) ein "reines PP-Kommunikations- und Propagandaorgan geworden", sagt Miguel Ángel Aguilar, Chefredakteur der Wochenzeitung Ahora Semanal zum STANDARD. "Deutliches Zeichen, dass etwas verkehrt läuft, ist die Fülle an Oppositionsklagen. Während man sich seitens der Regierung hochzufrieden gibt." Aguilar, selbst Ex-Kolumnist von El País, wurde Ende 2015 nach zwei Dekaden bei der Tageszeitung gekündigt. Weil er sich in der New York Times kritisch mit Spaniens Medien zeigte.

Klagen über massive Manipulation in der RTVE erreichten längst die EU-Kommission. Das in Wien beheimatete International Press Institute fordert, "der Sendeanstalt ihre Unabhängigkeit zurückzugeben". Seitens der sozialistischen Opposition PSOE sei Jareño "der Gipfel der Kolonialisierung der RTVE durch den PP". (jam, 18.3.2016)

  • Klagen über massive Manipulation in der RTVE erreichten längst die EU-Kommission.
    foto: apa/epa/sebastien nogier

    Klagen über massive Manipulation in der RTVE erreichten längst die EU-Kommission.

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