USA: In allen Bundesstaaten fließt mit Blei verseuchtes Wasser

17. März 2016, 16:21
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Insgesamt sind sechs Millionen US-Bürger betroffen, behauptet die Zeitung "USA Today"

Washington – Der Skandal um mit Blei verseuchtes Trinkwasser in den USA weitet sich aus. Wie die Zeitung "USA Today" am Donnerstag unter Berufung auf eigene Recherchen berichtete, sind rund sechs Millionen US-Bürger betroffen. In etwa 2.000 Wasserverteilungssystemen sei Blei gemessen worden, das über den von der Umweltschutzbehörde EPA empfohlenen Grenzwerten läge. Betroffen seien alle 50 Bundesstaaten.

Das Problem der Bleikontamination könnte damit weitaus größer sein als bislang angenommen wurde. In den vergangenen Monaten hatten die Zustände in der Stadt Flint im Bundesstaat Michigan die Aufmerksamkeit der US-Öffentlichkeit auf das Problem gelenkt. Wegen der Verseuchung des Trinkwassers in der 100.000-Einwohner-Stadt rief Präsident Barack Obama im Jänner den Notstand in Michigan aus. Der US-Präsident fand damals deutliche Worte für die Lage in Flint: "Wenn ich ein Elternteil in Michigan wäre, wäre ich außer mir vor Sorge."

Die Vorgeschichte: Die einst prosperierende Autostadt Flint, die knapp vor dem wirtschaftlichen Ruin steht, wollte sich Geld bei der Wasserversorgung sparen. Statt das kostbare Nass wie bisher aus dem Wassernetz des nahe gelegenen Detroit zu beziehen und diese Stadt dafür zu entlohnen, hatte die Stadtverwaltung im April 2014 damit begonnen, Wasser aus dem verschmutzten Flint-Fluss zur Trinkwasseraufbereitung zu nutzen. Laut einer Klage von Bürgerrechtlern genehmigte die Umweltbehörde des Bundesstaates den Schritt, obwohl die Kläranlage der Stadt das Flusswasser nicht entsprechend den Trinkwasservorschriften aufbereiten kann.

Grenzwert um ein Vielfaches überschritten

Bei Kindern in Flint waren deutlich erhöhte Bleiwerte festgestellt worden, viele Einwohner klagen über Hautausschlag, Erbrechen und Haarausfall. Kinder reagieren besonders empfindlich auf das Gift. Blei kann dauerhafte Nierenschäden, Lern- und Verhaltensstörungen verursachen. Laut "USA Today" versorgen etwa 350 der landesweit von der Bleikontaminierung betroffenen Wasserversorgungssysteme auch Schulen und Kindergärten.

Die Zeitung berichtete von dem Fall einer Volksschule im Bundesstaat Maine an der Nordostküste, wo der gemessene Bleigehalt 42 Mal so hoch gewesen sei wie der EPA-Grenzwert. In einer Kita im Bundesstaat Pennsylvania an der Ostküste sei der Wert um das 14-fache über der Norm gelegen.

Im Kongress in Washington stand am Donnerstag eine Anhörung zu den Zuständen in Flint auf der Tagesordnung, zu der unter anderem der Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, geladen war. (APA, AFP, red, 17.3.2016)

  • Besorgte Bürger steigen in Flint auf die Barrikaden.
    foto: apa/afp/saul loeb

    Besorgte Bürger steigen in Flint auf die Barrikaden.

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