Algorithmus erkennt Tweets, die betrunken geschrieben wurden

17. März 2016, 14:35
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US-Wissenschaftler haben 11.000 Alkohol-Tweets analysiert

Alkohol und das Internet sind eine gefährliche Kombination. Nach ein paar Gläschen kann es durchaus passieren, dass man E-Mails schickt, SMS schreibt oder Postings in sozialen Medien absetzt, für die man sich tags darauf nüchtern wieder geniert. Genau das hat sich jedoch ein Team von US-Forschern zunutze gemacht. Sie haben Tweets analysiert, die im betrunkenen Zustand geschrieben wurden. Was zunächst nach einer Spaßstudie klingt, hat einen durchaus ernsten Hintergrund.

11.000 Alkohol-Tweets analysiert

Forscher der University of Rochester haben dafür laut "MIT Technology Review" zunächst sämtliche Tweets mit Geotags gesammelt, die in der ersten Jahreshälfte 2014 in New York City und Monroe County im Bundesstaat New York abgesetzt wurden. Aus diesen Tweets wurden alle Nachrichten herausgefiltert, in denen "Alkohol" oder Wörter, die damit in Verbindung stehen, vorkommen. Also etwa "betrunken", "Bier" oder "Party". Insgesamt kamen sie auf 11.000 Tweets.

Diese 11.000 Tweets wurde mithilfe der Arbeitskräfte von Amazons Crowdsourcing-Dienst Mechanical Turk dahingehend eingeteilt, ob es sich um allgemeinere Aussagen über Alkohol handelt, oder ob es Hinweise darauf gab, dass die Tweets unter Alkoholeinfluss entstanden. Und ob zur gleichen Zeit getrunken wurde, als der Tweet geschrieben wurde. Außerdem analysierten die Forscher so auch, wo getrunken wurde, indem Wörter wie "Bar" oder "Couch", Phrasen wie "Endlich zu Hause", sowie die Geotags des Tweets miteinbezogen wurden.

Heatmaps des vertwitterten Alkoholkonsums

Basierend auf diesen Daten entwickelten die Forscher einen Algorithmus, der erkennt, wann und wo Twitter-Nutzer getrunken haben. Die Daten verglichen sie mit Karten von New York City und Monroe County und konnten so sogenannte Heatmaps des Alkoholkonsums von Twitter-Nutzern erstellen.

Die Forscher kamen unter anderem zu dem Ergebnis, dass es in New York City mehr "betrunkene Tweets" gibt als in Monroe County. In New York City wurden auch mehr Tweets zu Hause oder in der unmittelbaren Nähe der Wohnung geschrieben als in Monroe County, wo die Trink-Tweets weiter weg von zu Hause abgesetzt wurden. In der Nähe von Lokalen und Geschäften, die Alkohol verkaufen, stellten die Forscher zudem mehr Trink-Tweets fest.

Rückschlüsse anhand dieser Daten auf die Rahmenbedingungen von Alkoholmissbrauch sind zunächst noch mit Vorsicht zu genießen, da die Methode beispielsweise Personengruppen ausklammert, die nicht twittern aber sehr wohl trinken. Die Forscher wollen ihre Arbeiter aber fortführen und in Zukunft neue Erkenntnisse zur Erforschung von Alkoholismus gewinnen. (red, 17.3.2016)

  • Diese beiden laufen wohl nicht Gefahr, betrunken zu twittern.
    foto: dpa/daniel karmann

    Diese beiden laufen wohl nicht Gefahr, betrunken zu twittern.

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