Wiener sind zufrieden, aber pessimistisch

17. März 2016, 15:34
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Landespolizeipräsident Pürstl: "Subjektives Sicherheitsgefühl nicht auf höchstem Niveau"

Wien – Die Anzahl von Strafanzeigen ist zwar in Wien erstmals seit 2001 wieder unter 200.000 gesunken, "doch wenn man Gesprächen am Stammtisch Gehör schenkt, liegt das subjektive Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung nicht gerade auf höchstem Niveau", sagt der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl. Der scheinbare Widerspruch ist schnell aufgelöst: Auch wenn etwa ein Rückgang von Wohnungseinbrüchen in Wien um zwanzig Prozent sich tendenziell positiv in der Gesellschaft niederschlägt, bleibt die Kriminalstatistik nur einer von mehreren Indikatoren dafür, ob man sich persönlich sicher fühlen kann oder nicht. Genauso wichtig sind etwa das wirtschaftliche beziehungsweise das soziale Umfeld. "Auch ob das Viertel, in dem ich wohne, sauber ist, spielt ein Rolle", ist Pürstl überzeugt.

Die Wiener Polizei hat deswegen die Sozialwissenschaftliche Studiengesellschaft (SWS) mit einer Auswertung von diversen Umfragen zum Meinungsbild der Wiener beauftragt. "Dabei bestätigt sich der oft gehörte Spruch: Früher war alles besser", fasst SWS-Chef Marc Bittner zusammen. Bei fast allen abgefragten Sicherheitsindikatoren, wie medizinische Versorgung, Stabilität von Ersparnissen oder Arbeitsplatzversorgung sind die Wiener der Meinung, dass es früher besser war und künftig nur noch schlechter werden kann. Am augenfälligsten zeigt sich diese pessimistische Einschätzung beim Pensionseinkommen. Auch mit der Stabilität der EU ist es nicht gerade rosig bestellt, meinen die Wienerinnen und Wiener.

Bundespräsident hat höchstes Vertrauen

Die subjektive Zufriedenheit hingegen erzielt in der Bundeshauptstadt höhere Werte. 75 Prozent sind etwa mit ihrem momentanen Arbeitsplatz "eher zufrieden", nur 12 Prozent "eher unzufrieden". Auch die Sozialleistungen werden ähnlich hoch bewertet. Mit der Bekämpfung der Kriminalität ist nur die Hälfte aller Wiener zufrieden. Dennoch ist das Vertrauen in die Polizei vergleichsweise hoch: Sechs von zehn Hauptstädtern vertrauen der Exekutive. Einen höheren Wert (65 Prozent) erzielt derzeit nur der Bundespräsident, wobei das Vertrauen der Bevölkerung zur obersten Institution in der Hofburg im Vorjahr schon deutlich höher (75 Prozent) lag.

Am wenigsten Vertrauensvorschuss haben in Wien derzeit Zeitungen (22 Prozent), TV und Radio (27 Prozent) sowie die Kirche (25 Prozent). (Michael Simoner, 17.3.2014)

  • Der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl kann sich über weniger Anzeigen und eine gestiegene Aufklärungsrate freuen. Seit 2010 gibt es in Wien keinen unaufgeklärten Mord mehr.
    foto: apa/fohringer

    Der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl kann sich über weniger Anzeigen und eine gestiegene Aufklärungsrate freuen. Seit 2010 gibt es in Wien keinen unaufgeklärten Mord mehr.

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