SBO will Krise in Ölindustrie für Zukäufe nutzen

17. März 2016, 13:34
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Der Ölfeldausrüster rechnet mit Aufschwung spätestens Anfang 2017. Kriegskasse wegen verringerter Investitionen gut gefüllt

Wien/Ternitz – Die dramatisch gesunkenen Ölpreise haben auch in der Bilanz des Ölfeldausrüsters Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) tiefe Spuren hinterlassen. Umsatz, Ertrag und Auftragseingänge sind zum Teil dramatisch eingebrochen, deutlich mehr als in früheren Abschwungphasen. Dennoch ist SBO-Chef Gerald Grohmann optimistisch, was die Zukunft betrifft.

"Wir haben gelernt, die Zyklen zu reiten", sagte SBO-Chef Gerald Grohmann bei der Präsentation der Jahresbilanz. Durch rechtzeitiges Gegensteuern seien die Voraussetzungen, beim nächsten Aufschwung entsprechend profitieren zu können, ausgezeichnet.

Die Zyklizität der Branche sei ein Faktum, an der komme man nicht herrum. Ausflüge in ein Geschäftsfeld abseits von Öl und Gas, welches die Zyklizität etwas mildern oder möglicherweise sogar kompensieren könnte, habe man nicht vor. "Die Zyklen bieten auch Chancen für das Unternehmen, da wir kein Gramm Fett ansetzen wollen," sagte Grohmann.

Einmaleffekte belasten

Der Umsatz ging im Geschäftsjahr 2015 um 35,8 Prozent auf knapp 314 Millionen Euro zurück, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 63,1 Prozent auf 55,1 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) verschlechterte sich von 106,7 auf 3,7 Millionen Euro. Einmaleffekte führten zu einem Verlust von 22,1 Millionen Euro nach einem Gewinn von 67,5 Millionen Euro im Jahr davor. Der Hauptversammlung im April wird eine von 1,50 auf 050 Euro je Aktie gekürzte Dividende vorgeschlagen.

Ein Großteil der Einmaleffekte, die Wertminderungen von Anlagen betreffen, seien nicht Cash-wirksam. Zwei Millionen Euro seien für die Restrukturierung des Geschäfts in den USA und in Großbritannien angefallen, die sehr wohl Cash-wirksam gewesen seien. In beiden Ländern wurden je zwei Tochterunternehmen zu einem zusammengelegt, was Kosten einsparen hilft. Dies und weitere Maßnahmen wie das Zurückschrauben der Investitionen habe zu einem Rekord-Free-Cash-flow von gut 85 Millionen Euro geführt. Damit habe man eine gut gefüllte Kriegskasse für eventuelle Übernahmen.

Technologie rund um das Bohrloch

Einerseits trachte man, Technologie rund um das Bohrloch zuzukaufen; andererseits wolle man sich regional noch breiter aufstellen. "Jetzt ist eine günstige Zeit, Unternehmen zu kaufen und mit erweitertem Portfolio in den nächsten Aufschwung hineinzugehen", sagte Grohmann. Analysten rechnen mit nachhaltig höheren Ölpreisen um die 55 Dollar je Fass (159 Liter) in der zweiten Jahreshälfte 2016 bzw. Anfang 2017. Diese Einschätzung teilt auch Grohmann, wiewohl er hinzufügte, dass die Visibilität im Moment noch sehr gering ist.

Eine gröbere Restrukturierung schloss der SBO-Chef aus, der Großteil sei bereits 2015 geschehen. So ist die Zahl der Mitarbeiter weltweit um 34 Prozent auf 1135 geschrumpft, am meisten in den USA und in Großbritannien. In Österreich habe man dank der Einrichtung eines Überstundentopfs den Abgang vergleichsweise klein halten können. Waren 2014 noch 451 Mitarbeiter am Unternehmenssitz in Ternitz beschäftigt, waren es Ende 2015 noch 379. (Günther Strobl, 17.03.2016)

  • Schaut trotz widriger Rahmenbedingungen zuversichtlich in die Zukunft: der Chef von Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBO), Gerald Grohmann.
    foto: reuters/leonhard föger

    Schaut trotz widriger Rahmenbedingungen zuversichtlich in die Zukunft: der Chef von Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBO), Gerald Grohmann.

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