"Bildschirm-Welt" als Schlafkiller

17. März 2016, 13:05
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25 Prozent der Menschen haben Schlafstörungen – TV, Computer, Tablets und Smartphones und "24-Stunden/7-Tage-Welt" schädlich

25 Prozent der Menschen haben in den westlichen Industriestaaten Schlafstörungen. Die moderne "24-Stunden/7-Tage-Welt" mit TV, Computern, Tablets und Smartphones sind da schädlich, sagten Experten am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Ziel wäre es, die Schlafqualität zu erhöhen. Der Schlaf wird aber ein immer kostbareres Gut", sagte Brigitte Holzinger vom Wiener Institut für Bewusstseins- und Traumforschung. Morgen, Freitag (18. März), wird der Welt-Schlaftag begangen. Er steht dieses Jahr unter dem Motto "Guter Schlaf ist ein erreichbarer Traum".

Ein- und Durchschlafprobleme

Die Konsequenzen eines gestörten Schlafs – das reicht von der potenziell sogar lebensgefährlichen Schlafapnoe über Ein- und Durchschlafproblemen, veränderten Schlafphasen bis hin zum krankhaft gesteigerten Schlafbedürfnis (z.B. Narkolepsie) – können dramatisch sein. Gerda Saleta-Zyhlarz, Chefin des Schlaflabors im Wiener AKH, sagte dazu: "Menschen mit Schlafstörungen gehen zweimal häufiger zum Arzt, werden zweimal häufiger ins Krankenhaus aufgenommen und haben sieben Mal häufiger Arbeits- oder Verkehrsunfälle."

In Europa sind rund 45 Millionen Menschen von solchen Problemen betroffen. Schlafzeiten von täglich weniger als sieben Stunden schwächen messbar das Immunsystem. Die Krebsrate steigt, bösartige Tumoren metastasieren schneller.

Echte Schlafkiller

Eindeutig bewiesen ist, dass bei Kindern und Heranwachsenden TV (speziell im Kinderzimmer), Computerbildschirme, Tablets und Smartphones echte Schlafkiller sind. "In den USA verbringen Acht- bis Zehnjährige im Durchschnitt täglich 3,5 Stunden vor dem Fernseher, eine Stunde vor dem Computer und eine Stunde bei Video-Games. In Finnland sind es rund zwei Stunden. Die Schlafqualität ist besonders schlecht, wenn Kinder vor dem Schlafengehen vor dem Bildschirm sitzen", sagte Werner Sauseng, Kinderarzt aus Graz.

Laut dem Experten sollten Kinder unter zwei Jahren überhaupt nie mit Bildschirmen zu tun haben, weil sie in diesem Alter noch nicht zwischen virtueller und realer Welt unterscheiden können. Im Vorschulalter sollten es täglich unter 30 Minuten sein, im höheren Alter niemals mehr als zwei Stunden. "Kinder sollten nicht allein vor Bildschirmen gelassen werden. Diese sind keine Babysitter und auch kein Mittel, um eine Sprache zu lernen. Das geht über direkte Kommunikation", führte der Pädiater aus.

"Sieben bis acht Stunden bedeuten die höchste Lebenserwartung"

Eine erst im vergangenen Jahr publizierte Studie, in welcher die durchschnittlichen Schlafzeiten bei Naturvölkern in Südamerika und Zentralafrika erhoben worden war, zeigte, dass diese Menschen "nur" sechs bis sieben Stunden schlafen. "Sieben bis acht Stunden bedeuten die höchste Lebenserwartung. Mehr oder weniger Schlaf bedeutet eine höhere Mortalitätsrate. Das gilt aber vor allem für die über 55-Jährigen", sagte Gerhard Klösch von der Universitätsklinik für Neurologie im Wiener AKH (MedUni Wien).

Das Problem, wie der Fachmann betonte: "Die Schlafzeiten werden kürzer. Früher waren es im Durchschnitt acht bis neun Stunden. Heute sind es sieben bis acht Stunden. Der Grund: Wir gehen immer später zu Bett. Die Arbeitsbeginnzeiten in der Früh haben sich aber seit hundert Jahren nicht geändert."

Therapie

Eine fachlich fundierte Diagnose ist bei belastenden Schlafstörungen die Voraussetzung für eine wirksame Therapie. Dazu kann auch eine Nacht im Schlaflabor beitragen. 17 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen sind beispielsweise von Schlafapnoe betroffen – mit bis zu 600 bis 800 Atempausen in der Nacht und dadurch auftretender schwerer Sauerstoff-Unterversorgung des Gehirns als Folge. Dagegen kann eine Maskenbeatmung helfen.

Gerade im Falle von schwerer Schlafapnoe sollen in Zukunft Autofahrer und vor allem Berufslenker in der EU engmaschiger überwacht werden. Laut den Fachleuten soll die "Gesundheitsverordnung" zum Führerscheingesetz geändert werden. Bei einer solchen Diagnose müssen dann die Betroffenen explizit auf ihr Risiko im Straßenverkehr durch verringerte Aufmerksamkeit und Tagesschläfrigkeit hingewiesen werden. Jährliche Kontrollen für Berufskraftfahrer und eine Überprüfung alle drei Jahre bei anderen Führerscheinbesitzern können dann die Folge sein. (APA, 17.3. 2016)

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    foto: apa
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