Kriminalstatistik: Knapp 10.000 Strafanzeigen weniger als 2014

17. März 2016, 13:45
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Anzeigen wegen Autodiebstählen und Wohnungseinbrüchen gingen zurück, jene wegen Cybercrime und Gewaltdelikten nahmen zu – Aufklärungsquote bei 44 Prozent

Wien – Die Zahl der in Österreich angezeigten strafbaren Handlungen sank laut Bundeskriminalamt (BK) im Vorjahr auf ihren niedrigsten Wert seit 1999. 517.870 Delikte wurden angezeigt, das entspricht einem Rückgang von 1,9 Prozent oder 9.822 Fällen gegenüber 2014. Noch stärker fiel die Kennziffer unter Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung. 5.992 Straftaten wurden im Vorjahr je 100.000 Einwohner angezeigt, 2003 lag diese Zahl noch bei 7.924.

Die Aufklärungsquote der Polizei stieg gegenüber 2014 leicht von 43,1 auf 44 Prozent, wie Konrad Kogler, der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, BK-Direktor Franz Lang und sein Vize Michael Fischer bei einem Pressetermin am Donnerstag in Wien bekanntgaben.

Zwar werden die Zahlen im Sicherheitsbericht 2015 als "Entwicklung der Gesamtkriminalität" bezeichnet, doch kann die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) nie die tatsächliche Kriminalität wiedergeben. Zum einen gibt es eine unbekannte Zahl an Delikten, die aus verschiedenen Gründen nicht angezeigt werden. Zum anderen bedeutet eine Anzeige bei der Polizei nicht, dass ein Straftatbestand überhaupt erfüllt ist, ein Verfahren gegen einen Verdächtigen eingeleitet oder er tatsächlich vor Gericht schuldig gesprochen wird.

Männer deutlich überrepräsentiert

250.581 Tatverdächtige wurden im Vorjahr ermittelt. Diese Zahl bewegt sich etwa im Bereich der vier Jahre davor; in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts lag sie spürbar darunter.

Das Geschlechterverhältnis entsprach dem langjährigen Trend. Von hundert Tatverdächtigen waren im Vorjahr 79 Männer und 21 Frauen. Auch unter den Opfern waren Männer mit 58,2 Prozent überrepräsentiert.

157.777 oder 63 Prozent der Verdächtigen waren Österreicher. Die ausländischen Verdächtigen setzten sich zum größten Teil aus Staatsbürgern Rumänens (9.624), Deutschlands (9.161), Serbiens (8.568), der Türkei (6.398) und Bosniens (5.232) zusammen.

Von den fremden Tatverdächtigen waren 28,6 Prozent ohne Beschäftigung, 25,5 Prozent Arbeitnehmer, 15,6 Prozent Asylwerber und 12,5 Touristen. Die Zahl der tatverdächtigen Asylwerber ist 2015 um 38,8 Prozent gestiegen. Dazu schreiben die Autoren des Sicherheitsberichts: "Stellt man jedoch der Gesamtzahl der in Österreich Asylsuchenden die Zahl der tatverdächtigen Asylsuchenden gegenüber, so war diese 2015 in Relation stark rückläufig: Waren 2014 von 1.000 Asylwerbern 371 Personen straffällig, so waren 2015 weniger als die Hälfte davon, nämlich nur noch 161 Personen tatverdächtig." Laut Kogler sagt das aber nichts über den Verlauf der Entwicklungen in den kommenden Monaten oder Jahren aus.

Unterschiedliche Tendenzen in den Ländern

Im Bundesländervergleich gab es teils recht unterschiedliche Entwicklungen. Im Burgenland (plus 6,3 Prozent), in Niederösterreich (plus 0,6 Prozent) und in Salzburg (plus 0,4 Prozent) stieg die Zahl der Anzeigen gegenüber 2014, in den anderen Bundesländern sank sie. Das große Plus im Burgenland und der Anstieg in Niederösterreich lässt sich laut den Ermittlern zum Teil durch Anzeigen gegen Schlepper erklären. Den größten Rückgang verzeichnete Wien mit minus 3,6 Prozent Anzeigen. Hintergründe zur Situation in der Bundeshauptstadt finden Sie im Artikel "Wiener sind zufrieden, aber pessimistisch".

In Wien war auch die relative Zahl der Anzeigen gemessen an der Bevölkerung des Bundeslandes am höchsten. Auf 100.000 Wiener kamen im Vorjahr 10.726 Anzeigen, auf 100.000 Burgenländer nur 3.451 Anzeigen.

Die vom BK als besondere Bedrohung für die breite Bevölkerung definierten "Big Five" der Kriminalität – das sind Einbrüche in den Wohnraum, Kfz-Diebstahl, Gewaltdelikte, Cybercrime und Wirtschaftsdelikte – ließen keine deutliche Gesamttendenz erkennen.

Die Zahl der Einbrüche sank innerhalb eines Jahres von 17.110 auf auf 15.516. 40,4 Prozent davon waren versuchte, also verhinderte Einbrüche. 3.326 Kraftfahrzeuge wurden im Vorjahr als gestohlen gemeldet, das ist die niedrigste Zahl seit zehn Jahren und ein Rückgang gegenüber 2014 um 0,9 Prozent.

Die Zahl der Gewaltdelikte stieg dagegen leicht um 0,4 Prozent, war aber niedriger als im Zeitraum von 2007 bis 2013. Die Aufklärungsquote erreichte mit 83,5 Prozent den höchsten Wert des letzten Jahrzehnts. Die vorsätzlichen Körperverletzungsdelikte stiegen vom historisch niedrigsten Wert im Vorjahr um 0,4 Prozent.

Die Anzeigen wegen Delikten gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung sanken um 1,7 Prozent. Bei Gewaltdelikten bestand im Vorjahr nur in 36,1 Prozent der Fälle keine Beziehung zwischen Täter und Opfer. In den überwiegenden Fällen passierten sie im gewohnten Umfeld durch bekannte oder verwandte Personen.

Der größte Anzeigensprung wurde beim sogenannten Cybercrime registriert. 10.010 gemeldete Delikte bedeuten ein Plus von 11,6 Prozent. Vor zehn Jahren lag die Zahl noch um zwei Drittel niedriger. Die Wirtschaftskriminalität – vor allem Betrugsdelikte – sank um 2,1 Prozent auf 48.601 Anzeigen.

Ein immer größeres Feld machen Verstöße gegen das Fremdengesetz aus. 71.029 Menschen wurden 2015 in Österreich deshalb aufgegriffen, 2014 waren es noch 34.077. Auch die Zahl der Schlepper hat sich von 511 auf 1.090 mehr als verdoppelt. (Michael Matzenberger, 17.3.2016)

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