Deutschland schließt Vertretungen in Istanbul und Ankara

17. März 2016, 09:44
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Österreich lässt sein Generalkonsulat hingegen offen

Berlin – Den deutschen Sicherheitsbehörden liegen konkrete Hinweise auf geplante Anschläge gegen deutsche Vertretungen in der Türkei vor. "Gestern Abend erreichten unsere Sicherheitsbehörden einige sehr konkrete (...) Hinweise, dass terroristische Attentate gegen unsere deutschen Vertretungen innerhalb der Türkei vorbereitet seien", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag in Berlin.

Er habe daher in der Nacht entschieden, dass die deutsche Botschaft in Ankara, das Generalkonsulat in Istanbul und die deutschen Schulen in beiden Städten zunächst geschlossen blieben. Die österreichischen diplomatischen Vertretungen sind nicht betroffen.

"Meiden Sie die Umgebung"

Das Schließen der deutschen Vertretungen sei eine notwendige Vorsichtsmaßnahme, da der Schutz der Menschen Vorrang habe, erklärte Steinmeier. Zugleich werde die Zeit genutzt, um die Schutzvorkehrungen der Einrichtungen zu erhöhen und Informationen zur Entwicklung der Sicherheitslage zu sammeln. Er sei der türkischen Polizei sehr dankbar, dass sie dabei mitarbeite. Im Auswärtigen Amt tage der Krisenstab der deutschen Regierung. "Wir bitten die Bürgerinnen und Bürger, die Reisehinweise in den nächsten Tagen weiter sehr sorgfältig zu beachten", sagte der Minister.

In einer Mitteilung des Generalkonsulats in Istanbul hieß es: "Bitte meiden Sie die Umgebung des Generalkonsulats." Die diplomatische Vertretung Deutschlands liegt in der Nähe des Taksim-Platzes. Das österreichische Generalkonsulat befindet sich mehrere Kilometer entfernt. Dieses hat "normalen Betrieb", wie der Sprecher des Außenministeriums, Thomas Schnöll, auf APA-Anfrage erklärte.

Anschlagsserie

In der Türkei waren in den vergangenen Wochen wiederholt Anschläge mit Dutzenden Toten verübt worden. In Istanbul hatte im Jänner ein Selbstmordattentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen. Die Tat wurde der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zugerechnet. In Ankara waren zuletzt am Sonntag bei einem Selbstmordattentat 37 Menschen getötet worden. Donnerstag früh bekannte sich die extremistische Kurdenorganisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) zu dem Angriff.

Das deutsche Auswärtige Amt rät auf seiner Homepage zu erhöhter Vorsicht in Istanbul, Ankara und anderen Großstädten der Türkei. Menschenansammlungen, auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen, sowie der Aufenthalt nahe Regierungs- und Militäreinrichtungen sollten gemieden werden. Auch das österreichische Außenministerium gibt ähnliche Ratschläge für die Reisenden. Es stuft das Sicherheitsrisiko in der Türkei außerhalb der Kampfgebiete im Osten und Südosten als "erhöht" (Stufe 2 von 6) ein. (APA, 17.3.2016)

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