Dieselpreis im Keller, Transportkosten im Sinkflug

19. März 2016, 09:00
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Höhere Kapazitäten und niedrige Dieselpreise führen zu niedrigen Transportkosten. Das macht eine aktuelle Studie deutlich

Wien – Was bewegt werden muss, braucht Treibstoff, und der kostet derzeit besonders wenig: Die anhaltenden Preisstürze auf dem Ölmarkt wirken sich verstärkt auf die Logistikbranche aus. Das belegen auch die neuesten Zahlen des Transport-Market-Monitors des Beratungsunternehmens Capgemini.

Die Berechnungen basieren auf pro Quartal erhobenen und anonymisierten Daten der Logistikplattform Transporeon, die ein von verschiedenen Lkw-Klassen erzeugtes Volumen von insgesamt über zwei Milliarden Euro in allen europäischen Ländern ausweist.

Hier zeigt sich: Die Transportpreise sind im vierten Quartal des Jahres 2015 weiter gefallen. Der Preisindex ist um 2,4 Prozent gesunken und befindet sich damit jetzt wieder auf dem Niveau des gleichen Quartals im Jahr zuvor. Der Kapazitätsindex stieg dagegen im Vergleich um 14,3 Prozent, bleibt damit aber dennoch immer noch 2,6 Prozent hinter dem Stand, der zur gleichen Zeit im Vorjahr vorherrschte.

Ein kurzfristiger Neuanstieg der Kapazitäten sei aber eigentlich keine Überraschung, sagt Christian Oesterle, Berater bei Capgemini: "Dieser Anstieg ist nicht erstaunlich: Das unterliegt den jeweiligen saisonalen Schwankungen."

Nur 25 Prozent

Was dagegen auf den ersten Blick verwundert, ist der Umstand, dass die Transportpreise fallen, obwohl nun wieder mehr Kapazitäten genutzt werden. Das ist jedoch schnell erklärt: Der Verfall der Ölpreise drückt auch auf den Dieselwert.

Jedoch zieht eine Preisschwankung auf dem Treibstoffmarkt normalerweise nicht so massiv die Transportkosten herunter: Gegenüber den Ausgaben für Kraftstoff bilden Personalkosten, Fuhrpark, Steuern und Maut den Großteil der Transportkosten. Oesterle: "Der Dieselpreis an sich macht grundsätzlich zirka 25 Prozent der gesamten Transportkosten von Frachtunternehmen aus."

Der jetzige Rückgang der Transportkosten geht aber über derartige bekannte Formkurven hinaus – weil Diesel derzeit ungewöhnlich günstig ist: Ausgehend von den Preisdaten der Europäischen Union sank der Dieselpreis im vierten Quartal 2015 um 0,1 Prozent auf 73,1 Indexpunkte – und fällt damit auf den tiefsten Wert seit sechs Jahren.

Unruhige Zeiten

Das freut die Logistikunternehmer sicherlich – ob das auch für die Kunden gilt, bleibt laut Oesterle noch abzuwarten: "Es wird spannend, ob die geringen Dieselpreise auch an die Kunden weitergegeben werden – hierzu können wir noch keine Aussage machen."

Ohnehin sei es gerade schwierig, langfristige Schätzungen vorzunehmen – da nicht nur auf dem Ölmarkt die Lage unruhig ist: "Angesichts der anhaltenden politischen Entwicklung – insbesondere der europäischen Flüchtlingsproblematik – kann man derzeit die Entwicklung gerade auch auf dem Logistikmarkt für die nächste Zeit schwer abschätzen."

Angesichts einer drohenden Ausweitung von Grenzkontrollen im Schengenraum drohen Staus, längere Transportzeiten, ein höherer Bürokratieaufwand – und damit höhere Transportkosten.

Mit Blick auf diese Rahmenbedingungen rät Oesterle den Logistikern, sich nicht nur auf die weiterhin fallenden Kraftstoffpreise zu verlassen: "Die Transportunternehmen sollten offen für neue Konzepte sein und die Bereitschaft haben, sich auf individuelle Lösungen einzulassen, um flexibel und schnell auf volatile Marktbedingungen reagieren zu können."

Gerade angesichts ständiger Veränderungen solle man die Lieferkette ständig überdenken und den Marktbedingungen anpassen: Standorte, Lieferanten und Versorgungszyklen seien ständig zu hinterfragen, um seine Ziele in Einklang zu bringen: "Es geht darum, die möglichst perfekte Balance zwischen Qualitätsanspruch, den Kosten, die man in Kauf nehmen möchte, und der Zeit, die einem zur Verfügung steht, zu finden. Aber dafür gibt es kein Patentrezept."

Kein Patentrezept haben derzeit auch die großen Reedereien, die mit einem Preisverfall bei Containertransporten von Asien nach Europa zu kämpfen haben. Dies ist vor allem auf die schwächelnde Konjunktur in China und anderen Schwellenländern zurückzuführen. Was wiederum zu einem Überangebot an Schiffsraum führt, was die Preise in eine Abwärtsspirale treibt. (Johannes Lau, 19.3.2016)

  • Die Talfahrt des Dieselpreises drückt auf die Transportkosten.  Es bleibt abzuwarten, ob das an die Kunden weitergegeben wird.
    foto: apa / klaus techt

    Die Talfahrt des Dieselpreises drückt auf die Transportkosten. Es bleibt abzuwarten, ob das an die Kunden weitergegeben wird.

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