Die Welt in Hillarys Händen

Kommentar16. März 2016, 18:53
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Eine Kandidatin mit Schwächen ist die letzte Barriere gegen eine Politik des Irrsinns

Donald Trump ist praktisch nicht mehr aufzuhalten. Selbst wenn er bis zum republikanischen Parteitag im Sommer die absolute Mehrheit an Delegierten verfehlt, wird ihn die Parteiführung als Präsidentschaftskandidaten nicht verhindern können. Es fehlt ihr an plausiblen Alternativen: Ted Cruz ist ebenso verhasst wie er, John Kasich zu moderat und vernünftig, und kein anderer Kandidat verfügt auch nur annähernd über jenes Mandat, das die zornigen Wähler Trump erteilen.

Die Republikaner haben nur die Wahl, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und die Reihen hinter dem Milliardär zu schließen – oder gespalten in eine sichere Niederlage zu ziehen. Sie werden sich wahrscheinlich für die erste Option entscheiden. Denn so unberechenbar Trump auch ist: Seine rassistischen und populistischen Positionen sind bloß die Übertreibung dessen, was andere Republikaner seit Jahren predigen.

Zwischen dem impulsiven, narzisstischen und zutiefst autoritären Trump und dem Weißen Haus steht daher nur noch Hillary Clinton. Der ehemaligen First Lady, Senatorin und Außenministerin kann die Nominierung durch die Demokraten niemand mehr nehmen, auch wenn Bernie Sanders seinen Kampf nicht aufgibt.

Clinton ist nicht nur die erste Frau mit einer Chance auf die US-Präsidentschaft. Sie ist auch die gebildetste, erfahrenste und professionellste unter allen Anwärtern dieser Vorwahlsaison. Aber wirklich gut ist sie als Kandidatin nicht. Ihr fliegen wenige Herzen zu, sie neigt trotz einer ausgeprägten Selbstkontrolle zu verbalen Fettnäpfchen und Fehlentscheidungen. Das Misstrauen vieler Wähler beruht teils auf Sexismus – bei einem Mann wäre Ehrgeiz wohl kein Manko -, hat aber auch gute Gründe. Clinton passt sich mit ihren Meinungen den jeweiligen Stimmungen an und weigert sich, eigene Schwächen und Fehler anzuerkennen. Ihr Umgang mit der E-Mail-Affäre ist ein Lehrstück in schlechtem Krisenmanagement.

Und Clinton bleibt für viele Republikaner ein rotes Tuch. Sie wird als hohe Favoritin in den Zweikampf mit Trump ziehen. Aber die Gefahr besteht, dass frustrierte demokratische Wähler aus der Arbeiterschaft Trumps Machogehabe und seinem Brachial-Protektionismus verfallen und besser gebildete Republikaner ihn doch als geringeres Übel einschätzen.

Trump wird sich von nun an wohl moderater geben und vieles bisher Gesagte abstreiten. Gleichzeitig wird er Clinton mit aller Boshaftigkeit, zu der er fähig ist, attackieren. Einem charismatischen Hochstapler wie ihm kann dieser Seiltanz auch gelingen.

Clinton muss sich entscheiden, ob sie die Sanders-Anhänger mit einem linkeren Programm mobilisiert oder um die Wähler der Mitte buhlt, die sich vor Umverteilungsslogans fürchten. Präsident Barack Obama hat mit seiner Entscheidung, den moderaten Juristen Merrick Garland für den Obersten Gerichtshof zu nominieren, den letzteren Weg vorgegeben. Allein aus wahltaktischen Gründen sollte Clinton diese Richtung beibehalten.

Denn die Jungen, die an Sanders glauben, lassen sich allein mit dem Schreckgespenst Trump mobilisieren – und so auch hoffentlich viele andere Amerikaner. Denn dieser Mann, der behauptet, er brauche keine außenpolitischen Berater außer sich selbst, ist eine Gefahr für die Nation und die Welt. Was immer man von Clinton hält – sie allein kann verhindern, dass der Irrsinn in der Supermacht USA regiert. (Eric Frey, 16.3.2016)

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