Angeblich Anschlag in Paris verhindert, Toter von Brüssel identifiziert

16. März 2016, 22:39
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Nach weiteren Hausdurchsuchungen in Brüssel werden noch immer zwei Flüchtige gesucht

Brüssel – Schon wieder hat Belgiens Premierminister Charles Michel ein Treffen mit den Spitzen von Polizei und Geheimdienst abgehalten. Dabei sei es vor allem darum gegangen, sich in Sachen Sicherheit abzustimmen, hieß es, rund einen Tag nachdem eine Schießerei bei einer Polizeirazzia gegen mutmaßliche Islamisten Erinnerungen an den vergangenen Februar wachgerufen hatte. Damals war die Stadt, in der sich die Herzen von EU und Nato befinden, wegen Terroralarms mehrere Tage zum Stillstand gekommen, als die Polizei nach Anhängern der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) suchte, die sich zuvor an den schweren Anschlägen von Paris beteiligt hatten.

Diesmal solle der Terroralarm in Brüssel und im ganzen Land auf Stufe drei bleiben, verkündete Michel nach dem Treffen. Dies ist die zweithöchste Stufe auf der Bedrohungsskala, sie weist auf eine "glaubhafte und wahrscheinliche" Bedrohung hin.

Schon zuvor hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft eine vorläufige Bilanz über den Antiterroreinsatz gezogen, der allerdings auch am Mittwoch noch nicht beendet war: Gegen drei Uhr Nachmittag sei es bei einer eher routinemäßigen Hausdurchsuchung plötzlich zu einer Schießerei gekommen.

Dabei seien vier Polizisten leicht verletzt und einer der Angreifer von einem Scharfschützen getötet worden. Bei dem Mann handle es sich um einen 35-jährigen Algerier, der sich illegal in Belgien aufgehalten habe.

Bisher war der Mann der Polizei nicht durch religiösen Eifer, sondern wegen eines Diebstahls im Jahr 2014 bekannt. In seiner Nähe sei ein Buch über Salafismus, eine Fahne des IS und ein Kalaschnikow-Maschinengewehr gelegen. Solche Waffen waren auch bei den Anschlägen von Paris eingesetzt worden. Auch große Mengen Munition wurden gefunden, Sprengstoff hingegen nicht.

Ähnlich wie schon nach den Anschlägen von Paris gab es erneut auch Kritik an den Sicherheitskräften. Damals war der mutmaßlich direkt an den Angriffen Beteiligte Mohammed Abdeslam offenbar zweimal knapp der Polizei entkommen, nach ihm wird immer noch gesucht. Auch diesmal gelang offenbar zwei Personen die Flucht über die Dächer des Stadtteils Forest. Nach ihnen wurde Mittwochabend noch gefahndet, ebenso liefen Durchsuchungen in anderen Stadtteilen.

Schon wieder Flüchtige

Bei zwei Männern, deren Verhaftung zuvor gemeldet worden war, soll es sich nicht um die Gesuchten handeln. Sie stünden allerdings auch mit islamistischen Extremisten in Verbindung, hieß es. Einer von ihnen hatte Verdacht erweckt, weil er mit gebrochenem Bein ins Spital eingeliefert worden war und zu fliehen versucht hatte, als Polizisten ihn verhören wollten. Später wurden beide wieder auf freien Fuß gesetzt. Hinweise darauf, dass es sich bei einem der noch Flüchtigen um Saleh Abdeslam handeln könnte, gebe es nicht, hieß es bei der Polizei. Aus Ermittlerkreisen war zu hören, dass Abdeslam weiter in Syrien vermutet wird.

In welcher Weise die Razzia vom Dienstag mit den Anschlägen von Paris im Zusammenhang stehen soll, war vorerst nicht zu erfahren. Dass auch französische Ermittler an der Durchsuchung beteiligt waren, weckte aber Interesse. Wie die belgische Zeitung De Standaard berichtet, hatten die Ermittler in der Wohnung zwar ein geheimes Versteck von Terroristen erwartet, nicht aber Terroristen selbst. Wasser- und Stromanschlüsse zur Wohnung seien seit Monaten stillgelegt gewesen.

Verhaftungen auch in Paris

Jedenfalls wurden am Mittwochabend auch aus Paris neue Verhaftungen von Terrorverdächtigen gemeldet. Drei Männer und eine Frau seien festgenommen worden, schrieben französische Medien. Sie sollen geplant haben, in naher Zukunft einen Anschlag im Herzen von Paris zu verüben. Einer der vier sei schon bisher einschlägig aufgefallen, gegen ihn war deshalb vor einem Monat Hausarrest verhängt worden. Bei den Verdächtigen wurde demnach Munition für Schnellfeuerwaffen sowie Computerzubehör gefunden. (mesc, red, 16.3.2016)

  • Belgiens Premier Charles Michel (re.) bei Beratungen zur Sicherheit des Landes.
    foto: afp / john thys

    Belgiens Premier Charles Michel (re.) bei Beratungen zur Sicherheit des Landes.

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