Gemeinnütziger Wohnbau geht in Wien um die Hälfte zurück

16. März 2016, 18:40
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Karl Wurm, Obmann des Verbands gemeinnütziger Bauträger, warnt vor Zuspitzung auf dem Wohnungsmarkt. Die Bauleistung der Gemeinnützigen wird 2016 und 2017 um fast 50 Prozent einbrechen

Wien – Die Schaffung von hochqualitativem und zugleich leistbarem Wohnraum hat die Stadt Wien als eines der wichtigsten Ziele in dieser Legislaturperiode formuliert. Der Wohnungsdruck wird immer größer, alleine in den vergangenen drei Jahren ist die Bevölkerung in Wien um fast genau 100.000 Menschen gewachsen. Ein Ende des Booms ist vorerst nicht absehbar.

Ernüchternde Prognose

Die Prognose des Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) fällt diesbezüglich aber ernüchternd aus. "Der geförderte Wohnbau in Wien wird deutlich weniger", sagt GBV-Obmann Karl Wurm dem STANDARD. Wurde von den Wiener Gemeinnützigen im Vorjahr noch ein Spitzenwert von 6400 neu errichteten Wohnungen erreicht, werde die Neubauleistung in diesem und auch im kommenden Jahr nur noch rund 3300 Wohnungen betragen. Das ist ein Einbruch um fast 50 Prozent gegenüber 2015 – und auch weit weniger als 2014 (4700 Wohnungen) und 2013 (4600).

Die daraus resultierende Folge: Der Anteil geförderter Wohnungen in Wien am Gesamtwohnungsmarkt wird zugunsten teurerer, freifinanzierter Wohnungen sinken, wenn die Stadt die Neubauleistung in den kommenden zwei Jahren zumindest halten will. Der steigende Bedarf an leistbarem Wohnraum kann so laut Wurm aber nicht gedeckt werden.

Hohe Grundstückspreise

Als Hauptproblem machte Wurm die hohen Grundstückspreise aus. Denn wollen die Gemeinnützigen Wohnbauförderung beziehen, dürfen von Gesetzes wegen nicht mehr als 250 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden. "Es ist schon jetzt fast nicht mehr möglich, Grundstücke in Wien um diesen Preis zu bekommen", sagt Wurm.

Laut dem GBV-Obmann betragen die Regelpreise in nicht so schönen Wiener Lagen schon zwischen 600 und 700 Euro. "Geförderter Wohnbau wird praktisch unmöglich. Die Wohnbauförderung in Wien wird ad absurdum geführt, wenn man die Grenze von 250 Euro pro Quadratmeter Grundstück nicht erhöht."

7000 geförderte Wohnungen im Jahr 2015

Laut dem Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) liegen die exakten Zahlen für den geförderten Wohnbau im Jahr 2015 noch nicht vor. Es sollen aber rund 7000 geförderte Wohnungen fertiggestellt worden sein. In dieser Zahl ist die Bauleistung der Gemeinnützigen genauso inbegriffen wie der geförderte Wohnbau der Gewerblichen sowie sonstige geförderte Wohnbauten, die mit Geldern der Wiener Wohnbauinitiative errichtet wurden. Inklusive freifinanzierter Einheiten sollen 2015 knapp 10.000 Wohnungen errichtet worden sein.

Erst vor einem Monat kündigte Ludwig auch aufgrund des enormen Zuwanderungsdrucks an, ab 2017 die Neubauleistung in Wien von 10.000 auf 13.000 pro Jahr zu schrauben. Die Neubauleistung im geförderten Bereich soll auf 9000 Wohnungen pro Jahr angehoben werden. In den kommenden zwei Jahren erwartet Wurm in diesem Bereich aber ein "Loch". Aus dem Büro Ludwig heißt es hingegen, dass "für 2016 und 2017 nach heutigem Stand kein Einbruch im geförderten Wohnbausektor bestätigt werden kann".

Temporäre Bauten vor Errichtung

Dank einer Änderung der Bauordnung, die am Freitag im Wiener Landtag beschlossen werden soll, wird die Errichtung temporärer Bauten erleichtert. Diese sollen laut Ludwig nicht nur für Flüchtlinge gedacht sein. "Der Fokus auf temporär errichtete Fertigteilbauten kann nicht die Wohnungspolitik der Zukunft sein", kritisiert hingegen Wurm. (David Krutzler, 16.3.2016)

  • Der Wohnungsdruck wird immer größer, alleine in den vergangenen drei Jahren ist die Bevölkerung in Wien um fast genau 100.000 Menschen gewachsen.
    foto: apa / helmut fohringer

    Der Wohnungsdruck wird immer größer, alleine in den vergangenen drei Jahren ist die Bevölkerung in Wien um fast genau 100.000 Menschen gewachsen.

  • "Der geförderte Wohnbau in Wien wird deutlich weniger", sagt GBV-Obmann Karl Wurm dem STANDARD.
    foto: robert newald

    "Der geförderte Wohnbau in Wien wird deutlich weniger", sagt GBV-Obmann Karl Wurm dem STANDARD.

  • Auch österreichweit nimmt laut Prognose die Zahl neugebauter Wohnungen, die von gemeinnützigen Bauträgern der GBV errichtet werden, ab.

    Auch österreichweit nimmt laut Prognose die Zahl neugebauter Wohnungen, die von gemeinnützigen Bauträgern der GBV errichtet werden, ab.

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