Schuldzuweisungen: Zynisches Kalkül

Kommentar16. März 2016, 17:51
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Die verzweifelte Situation und der Tod von Flüchtlingen werden instrumentalisiert

Jetzt werden die Toten aufgerechnet. Die Grünen posten unverdrossen das Bild des syrischen Buben, der tot am Strand von Bodrum liegt. Sie machen Sebastian Kurz für diesen Tod verantwortlich. Weil Kurz gesagt hatte: "Es wird nicht ohne hässliche Bilder gehen."

Hässliche Bilder gibt es mittlerweile genug. Das ikonische Foto des toten Buben steht für die Not, das Elend, für die oft nicht mehr fassbare Flüchtlingstragödie, die tausende Menschen, auch Kinder, auf der Route nach Europa das Leben gekostet hat. Das Bild steht aber auch für die gnadenlose Vermarktung der Tragödie durch die Politik. Das Bild wurde im vergangenen September aufgenommen, die Aussage von Kurz stammt aus dem heurigen Jänner.

Die ÖVP macht im Gegenzug die Grünen für den Tod von drei Flüchtlingen an der griechisch-mazedonischen Grenze verantwortlich. Eine Aktivistin aus Österreich, die früher bei den Grünen gearbeitet hat, sei an jenem "March of Hope" beteiligt gewesen, bei dem mehr als tausend Flüchtlinge aus Idomeni in die Irre geleitet wurden. Die drei Flüchtlinge, deren Tod nun den Grünen umgehängt wird, verloren ihr Leben allerdings schon Tage vor dieser Aktion.

Die verzweifelte Situation und der Tod von Flüchtlingen werden instrumentalisiert, um ein wenig Aufmerksamkeit zu erheischen und das tagespolitische Geschäft zu erledigen. Das zynische Kalkül, das hinter diesen Schuldzuweisungen steckt, ist schlicht widerlich. Auf beiden Seiten. (Michael Völker, 16.3.2016)

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